Zwei getrennte Welten – Predigt zum Ewigkeitssonntag (Jes 65)

Liebe Gemeinde,
Wenn die Tür aufginge und sie würde hereinkommen, ich würde mich nicht wundern“, sagt ein Mann.
Das ist nun schon einige Wochen her“, sagt eine Witwe, „aber die Welt ist immer noch schwarz-weiß. Ich vermisse ihn so sehr und rede immer noch mit ihm,“
Viele von Ihnen haben in diesem Jahr so etwas erlebt. In Ihrem Leben gab es durch den Tod eines lieben Menschen einen massiven Einschnitt und Sie müssen sich verändern. Und so blicken wir an diesem Sonntag zurück und denken an unsere Verstorbenen.
Und wir wünschen Ihnen Frieden. Den Frieden Gottes, den sie hoffentlich jetzt im Tod haben. Von diesem Frieden träumt der Schreiber des Jesajabuches im 65. Kapitel. Er schreibt:
So spricht der Herr:
Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.
Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe.
Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.
Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.
Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen,
sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt,
und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht.
Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen.
Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne,
und nicht pflanzen, was ein anderer esse.
Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen.
Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des Herrn, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.
Und es soll geschehen: ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.
Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.

Jesaja hat eine Vision, eine Vision von Gottes Welt und er versucht sie uns in Bildern zu präsentieren, die wir verstehen. Bilder, die in uns viel auslösen: Bilder von Lämmern und Schafen, die beieinander wohnen. Bilder von einem friedlichen Hausbau, in dem die Menschen friedlich miteinander leben. Wo auch noch Greise fit sind.
Diese Bilder stehen in einem massiven Widerspruch zu dem was wir erleben, wenn wir den Tod erfahren, zu dem was viele von uns im letzten Jahr erlebt haben.
Und diesen Widerspruch müssen wir aushalten. Und gleichzeitig wollen wir auf Gott hoffen. Auf seine Verheißung für das Leben bei ihm.
Dieses wird auch von einem Text in der Offenbarung beschrieben, den Sie auch in der Lesung gehört haben. Dort ist geschrieben:
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. …
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, …
Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen:
Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen!
Und er, Gott, wird bei ihnen wohnen,
Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;
denn das Erste ist vergangen.
Wieder träumt einer von Gottes Himmel. Und wieder müssen wir aushalten, das unsere Erfahrung eine ganz andere ist. Dass uns keiner die Tränen von den Augen wischt und wir noch viel Schmerz über den Tod in uns haben. Wir leben einfach in verschiedenen Dimensionen
Es ist eben jener Himmel, eben jene Ewigkeit, in die uns unsere Verstorbenen voraus gegangen sind. Sie sind schon dort, in der Ewigkeit, im Himmel. Wir aber leben hier in der Zeitlichkeit. Unser Platz ist auf der Erde, und hier haben wir unsere Aufgabe.
So singt es Eric Clapton in seinem Lied „Tears in heaven“, das er für seinen kleinen Sohn schrieb, der aus dem Fenster eines Hochhauses in den Tod stürzte:
„Würdest du meinen Namen kennen,
wenn ich dich im Himmel sehen würde?
Wäre es dasselbe,
wenn ich dich im Himmel sehen würde?
Ich muss stark sein und weiter machen,
weil ich weiß:
Ich gehöre nicht hierher, in den Himmel.
Würdest du meine Hand halten,
wenn ich dich im Himmel sehen würde?
Würdest du mir helfen, aufrecht zu stehen,
wenn ich dich im Himmel sehen würde?
Ich werde meinen Weg finden durch Nacht und Tag,
weil ich weiß, dass ich nicht hierher gehöre, in den Himmel …
Doch dort jenseits des Tores ist Frieden,
da bin ich sicher,
und ich weiß, dort wird es keine Tränen mehr geben,
keine Tränen mehr im Himmel.“
Tears in heaven: Ich möchte es Ihnen kurz vorspielen (Musik)
Es sind zwei verschiedene Welten, der Himmel und unsere Erde. Und dennoch sind sie zutiefst miteinander verbunden. Zum einen über Ihre Erinnerung, über Ihre Liebe zu den Verstorbenen.
Und zum andern über Gottes Liebe zu den Menschen. Eine Liebe die wir hier auf der Erde schon erfahren können, die aber ist aber stärker ist als der Tod und uns für das Leben nach dem Tod wunderbares verspricht:
Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.
Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen,
Wolf und Schaf sollen beieinander weiden, spricht der Herr.
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;
denn das Erste ist vergangen.

Amen.

Mit Teilen aus Lesegottesdienst und Pastoralblätter erstellt

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