Zu den Anderen aufbrechen – Predigt zu Apostelgeschichte 10,21-35

Liebe Gemeinde,

Kornelius hat eine Vision: Er, der römische Hauptmann, der sich für den jüdischen Gott interessierte, spendete eifrig für die arme jüdische Bevölkerung. Er betete treu und regelmäßig. Eines Tages sah er einen Engel, der ihm sagte, dass Gott ihn erhört habe. Er soll Boten zu Petrus schicken.

Ob der als Jude kommen würde? Juden war der Umgang mit Römern streng verboten.

Liebe Gemeinde,

Petrus hat eine Vision. Als er sich auf das Dach zum Beten zurückzieht, sieht er plötzliches unreines Tier- Tiere die er nach jüdischen Vorschriften nicht essen durfte. Und Gott forderte ihn auf genau dieses zu essen. Dreimal muss Gott ihn auffordern und ihm klar machen: „Was Gott für rein erkärt hat, das behandle du nicht als wäre es unrein“ (Apg10,15)

Liebe Gemeinde,

die beiden Welten von Kornelius, dem Römer und Petrus, dem Juden kommen zusammen. Die Boten des Kornelius sind bei Petrus. Eigentlich müsste er sie meiden und wegschicken, doch Gott plant etwas anderes und fordert Petrus auf, mitzugehen.

So berichtet es Lukas im 10 Kapitel der Apostelgeschichte:

„Da ging Petrus zu den Männern hinunter und sagte: »Ich bin der, den ihr sucht. Was führt euch zu mir?« – »´Wir kommen von` Hauptmann Kornelius«, antworteten sie, »einem frommen und gerechten Mann, der an den Gott Israels glaubt und bei der ganzen jüdischen Bevölkerung in hohem Ansehen steht. Er hat von einem heiligen Engel den Auftrag erhalten, dich in sein Haus einzuladen, um zu erfahren, was du ihm zu sagen hast.« Als Petrus das hörte, bat er die Männer herein und sorgte dafür, dass sie bei Simon übernachten konnten.

Am darauf folgenden Tag kamen sie in Cäsarea an. Kornelius, der seine Verwandten und seine engsten Freunde zu sich eingeladen hatte, erwartete sie bereits. Als Petrus durch ´das Hoftor` trat, kam Kornelius ihm entgegen und warf sich ehrfurchtsvoll vor ihm nieder. Doch Petrus zog ihn wieder hoch. »Steh auf!«, sagte er. »Ich bin auch nur ein Mensch.« Und während er sich mit Kornelius unterhielt, betrat er das Haus. Überrascht sah er die vielen Leute, die sich dort zusammengefunden hatten. »Ihr wisst sicher«, sagte er zu ihnen, »dass es einem Juden nicht erlaubt ist, engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört, oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen. Aber Gott hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass man keinen Menschen als unheilig oder unrein bezeichnen darf, ´nur weil er kein Jude ist`. Daher habe ich auch keine Einwände gemacht, als man mich einlud, hierher zu kommen. Und nun lasst mich wissen, aus welchem Grund ihr mich geholt habt!« Kornelius erwiderte: »Vor drei Tagen hatte ich mich zur gleichen Zeit wie jetzt, nachmittags gegen drei Uhr, hier in meinem Haus zum Gebet zurückgezogen, als plötzlich ein Mann in einem leuchtend weißen Gewand vor mir stand. ›Kornelius!‹, sagte er. ›Gott hat dein Beten erhört, und er weiß sehr wohl, wie viel Gutes du den Armen tust. Schicke daher Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem Beinamen Petrus und lade ihn zu dir ein; er ist bei dem Gerber Simon zu Gast, dessen Haus direkt am Meer liegt.‹ Daraufhin schickte ich sofort ´einige Leute` zu dir, und du bist so freundlich gewesen, zu uns zu kommen. Nun sind wir alle hier in Gottes Gegenwart versammelt, um zu hören, was du uns im Auftrag des Herrn zu sagen hast.«

»Wahrhaftig«, begann Petrus, »jetzt wird mir ´erst richtig` klar, dass Gott keine Unterschiede zwischen den Menschen macht! Er fragt nicht danach, zu welchem Volk jemand gehört, sondern nimmt jeden an, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was gut und richtig ist.

Liebe Gemeinde,

Petrus überwindet Grenzen. Er überwindet die Grenzen seines Glaubens, seines Volkes und macht sich auf: zu einem Unreinen, einem Römer.

Jesus hat es vorgemacht, er heilt Kinder von Römern und isst mit Zöllnern, aber werden seine Jünger es nachmachen?

Erstmal gab es unter den ersten Jüngern große Diskussionen: Sind wir nicht nur für die Juden da, für unser Volk?

Müssen die, die an Gott glauben, nicht erstmal Juden werden?

Lukas erzählt später, dass Petrus auf Grund seines Verhaltens sich vor seiner Gemeinde rechtfertigen musste und auch Paulus muss sich mit diesen Fragen auseinandersetzen.

Bei Lukas geht das recht harmonisch zu, aber man kann erahnen, dass es brodelte und Paulus berichtet von internem Krach.

Wenn man das auf die politische Lage heute anwendet ist das recht einfach: In der Bibel ist es eindeutig: Mich nur auf mein Volk zurückzuziehen und alle anderen auszugrenzen ist nicht das, was Gott will. Gott ist für alle da und wir sollen auf alle zugehen.

Kornelius, der verhasste Römer, braucht die Hilfe von Petrus und Petrus kommt mit um zu helfen. So einfach ist das.

Bei uns in der Gemeinde gibt es gerade weniger Krach als vor 2000 Jahren. Ich glaube, wir sperren auch niemanden absichtlich aus. Wir sagen nicht: Du gehörst nicht zu uns, du darfst nicht zu uns kommen.

Ich frage mich aber schon, ob wir zu sehr in unserem eigenen Saft kochen. Ob wir genug rausgehen zu den Menschen. Zu denen, die interessiert sind und vielleicht auch zu denen, die nicht interessiert sind.

Wir, die wir hier in den Gottesdienst kommen, kennen uns ja meistens. Oft auch ganz gut.

Was ist aber mit denen, die durch ihre Kirchensteuer Verbundenheit mit unserer Kirche, unserer Gemeinde und ihrem Glauben zeigen?

Nehmen wir sie wahr? Nehmen wir wahr wo ihre Bedürfnisse sind? Wo und wann sie Hilfe brauchen? Praktisch und in Glaubensfragen?

Und was ist mit denen, die nicht in unseren Mitgliederlisten erscheinen? Kennen wir ihre Bedürfnisste?

Erfüllen wir unseren Auftrag herauszugehen?

Ich befürchte wir müssen all diese Fragen mit „Nein, noch nicht genug“ beantworten. Ich befürchte wir und vor allem ich als Ihr Pfarrer versagen hier. Wir drehen uns noch zu sehr um uns selbst.

Ich erhoffe mir einiges von dem Antragsverfahren für die Treppensanierung. Wir müssen unseren Blick auf Menschen werfen, die bisher kaum mit uns zu tun haben: Menschen mit Behinderungen.

Und ich erhoffe und bete um den Heiligen Geist, der uns hoffentlich den richtigen Weg für die Zukunft weißt.

Der uns den Mut gibt aufzubrechen und zeigt, wo wir mit unseren begrenzten Resourcen etwas erreichen können.

Amen.

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