Worauf freuen Sie sich an Weihnachten? Predigt zum 4. Advent (Jes 52,7-10)

Liebe Gemeinde,
das mit Weihnachten ist schon so eine komische Sache: Fast alle von uns kommen in eine freudige Weihnachtsstimmung. Der Advent mit seinem Adventskranz, dem Adventskalender und den Liedern tut das seine dazu.
Wieso freuen Sie sich auf Weihnachten? Was gibt es eigentlich an Weihnachten zu freuen?
Es freuen sich ja sogar die, die gar nicht mehr wissen, dass an Weihnachten Jesus geboren wurde.
Und ganz ehrlich: Was interessiert uns die Geburt eines Kinders vor 2000 Jahren?
Aber: Die Freude gehört wohl mit dazu. Und unser heutiger Predigttext geht auch um die Freude, aber nicht um die Weihnachtsfreude.
Der heutige Predigttext ist im Babylonischen Exil entstanden. Gut 550 Jahre vor Christus wurde Jerusalem eingenommen, die Mauern geschleift und die Oberschicht nach Babylon verschleppt. Dort sitzen sie nun, stehen vor der Frage, ob sie auch die Babylonischen Götter anbeten sollen und klagten über die Abwesenheit Gottes. Er residierte auf dem Berge Zion, im Tempel von Jerusalem.
Der Tempel aber war zerstört und der Berg Zion unter fremder Herrschaft.
Kein Grund zur Freude, eher zur Verzweiflung.
In diese Stimmung spricht der Prophet im Buch Jesaja. Er ruft dem Volk in Babylon und in Jerusalem zu:
Was für eine Freude! Über die Berge kommt der Siegesbote herbeigeeilt! Er bringt gute Nachricht, er verkündet Frieden und Rettung, er sagt zur Zionsstadt: »Dein Gott ist König der ganzen Welt!«
Horch, die Wächter der Stadt rufen laut, sie jubeln vor Freude; denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr auf den Berg Zion zurückkehrt.
Jubelt vor Freude, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat Erbarmen mit seinem Volk, er befreit Jerusalem.
Er greift ein, er hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker erhoben. Bis in den letzten Winkel der Erde sehen sie, wie unser Gott uns rettet.
Was für starke Worte. Welche Freudenbotschaft. Gott rettet, das soll man von den Trümmern schreien.
Und wie fremd sind uns diese Worte, zumindest mir, der den Krieg nur aus Erzählungen alter Leute kennt.
Ich kenne meine Trümmerstädte. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn man die Heimat verlassen muss.
Ich habe noch nie so schreckliches erlebt, dass für mich Gott einfach nur weg war.
Vielleicht kennen Sie das?
Was mich durch all die Unterschiede der Situationen anspricht, ist die Freudenbotschaft, die einfach nur ansteckend ist.
Was bereitet mir, was bereitet uns an Weihnachten, einem Land voller Frieden Freude?
Wegen der Freude im Text haben die Christen diesen Text als Weihnachtstext erwählt. Deshalb ist er auch heute noch ein Predigttext für den 4. Advent, 2 Tage vor Weihnachten?
Was ist ihre Weihnachtsfreude, worauf freuen Sie sich?
Die Geschenke? – Ich habe mit der Hälfte meiner Familie ein Nicht-Geschenke-Abkommen getroffen, da mir das Suchen zu stressig war und meine Brüder eigentlich alles haben. Nein, die sind es nicht wirklich.
Oder wegen der Tage, der Familienfeierlichkeiten, des Gottesdienstes? – Befragungen sagen, man streitet sich an Weihnachten öfters als sonst, es ist ja auch stressiger als sonst.
Nein, ich glaube das Besondere an Weihnachten ist der Beginn einer wunderbaren Geschichte, der Beginn der Jesusgeschichte. Jedes Jahr erinnern wir uns, dass vor 2000 Jahren ein ganz besonderer Mensch geboren wurde. Ein Mensch, der Gott näher war als jeder von uns. Ein Mensch, der wusste, was Gott wollte, der für ihn sprechen konnte. Der Gott so nahe war, dass wir sagen: Gott wurde in ihm, in Jesus Mensch. Und das ist nicht nur ein Floskel, mit der wir ein bisschen kitschige Weihnachtszeit füllen. Denn die Jesusgeschichte hört ja nicht mit dem süßen Kind in der Krippe auf. Auch nicht mit den schönen Heilungen.
In ihr gibt es auch viel Leid, Schmerz und Tod. Was viele heutzutage vergessen: Das Leben Jesu endet mit Folter und Tod. Nicht ohne Grund findet sich in vielen Krippenbildern irgendwo im Bild ein Kreuz.
Und auch hier ist Gott nahe: In der Angst Jesu vorm Tod, in der Folter, im Sterben. Wenn Jesus und Gott sich so nahe waren, dann weiß Gott auch, wie sich all das Schreckliche, Schmerzvolle, wie sich das Gefühl der Gottverlassenheit anfühlt. Er weiß wie wir fühlen und kann uns deshalb dann nahe sein, wenn es uns schlecht geht.
Das ist der Grund zur Freude.
Und, dass das Jesus den Tod besiegt hat, Karfreitag nicht das Ende ist, sondern danach noch Ostern kommt.
Dass wir wissen, dass uns nichts, keine Macht und Gewalt, von Gott trennen kann, auch der Tod nicht.
Gottes Liebe ist stärker als alles andere.
Das feiern wir an Weihnachten, den Beginn eines neuen Kapitels der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen.
Und diese Liebesgeschichte beginnt nicht gewaltsam, sie beginnt sanft.
Weil wir diese Liebesgeschichte kennen, spricht uns dieses Wort aus Jesaja auch als Christen an:
Was für eine Freude! Über die Berge kommt der Siegesbote herbeigeeilt! Er bringt gute Nachricht, er verkündet Frieden und Rettung, er sagt zur Zionsstadt: »Dein Gott ist König der ganzen Welt!«
Horch, die Wächter der Stadt rufen laut, sie jubeln vor Freude; denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr auf den Berg Zion zurückkehrt.
Jubelt vor Freude, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat Erbarmen mit seinem Volk, er befreit Jerusalem.
Er greift ein, er hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker erhoben. Bis in den letzten Winkel der Erde sehen sie, wie unser Gott uns rettet.
Amen.
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