Sie sangen! Predigt zum Sonntag Kantate (Apg 16)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus
G: Amen
Sie sangen! Paulus und Silas. Ich kann mich noch genau erinnern. „Großer Gott, wir loben dich! Herr wir preisen deine Stärke.“ Um Mitternacht! Mitten in der Nacht! Und dabei hatten sie nichts zu loben. Dem Ephratos hatten sie die Magd abspinstig gemacht. Die wollte nicht mehr weissagen. Aber da hatten die sich mit dem Falschen angelegt. Der Ephratos hat Beziehungen. Und so wurden Sie erstmal windelweich geprügelt. Und dann zu mir ins Gefängnis gebracht. Da haben Sie noch nicht gesungen. Und ich wollte nach einem langen Tag meine Ruhe haben. Also habe ich sie in den tiefsten Kerker gesteckt und zur Sicherheit die Beine auch noch festgesperrt. Da entkommt keiner. Gut, bequem ist es nicht. Deswegen habe ich mich auch so gewundert, als sie plötzlich angefangen haben zu singen. Oh war ich sauer. Das war sowieso schon ein mieser Tag, mein Leben lief auch nicht rund. Und die fangen an zu singen.
Gut, mein Leben war ok. Ich habe nen guten Job als Gefängniswärter. Ist halt stressig die ganze Verantwortung. Und meine Frau sagte, ich wäre zu selten zu Hause. Aber es war ein guter Job. So insgesamt.
Aber irgendwas hat mir damals gefehlt. Das konnte doch nicht alles sein: Arbeiten, Familie, sich um sich kümmern. Oder? War da nicht mehr?
Und dann dieser Gesang „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön“. Meiner Seele war gar nicht zum singen zu Mute. Irgendetwas passte nicht in meinem Leben. Irgendwie war ich so gefangen in Beruf, Familie, Arbeit.
Und meine Fehler lasteten auf meiner Seele. Als Gefängniswärter kann man nicht alle gut behandeln! Ist halt so. Aber getan ist getan! Mit der Vergangenheit muss man abschließen. War nur nicht so leicht.
Das waren meine Gedanken. Und dann das elende Gesinge. Das nervte mich gewaltig! Und es wurde immer lauter. Denn immer mehr Gefangene begannen mitzusingen: „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen, erzählen will ich von all seinen Wundern.“..
Ok, es beeindruckte mich schon etwas. Wie man so singen konnte, trotz des Gefängnisses und der Schmerzen. Irgendwie konnten die mit Gott umgehen. Ich konnte das nicht so gut. Wieso war denn die Welt so böse? Wieso musste ich so viel Leid sehen und hören? Manchmal erzählten mir die Gefangenen von ihren Taten. Manche voller Reue und manche voller Hass. Ich glaube, ich hatte alles Schlimme der Welt schon gehört! Und die sangen jetzt alle: Die Mörder, Diebe, Betrüger. Loblieder. Eigentlich schön. Paulus und Silas hatten sie angesteckt.
Und dann geschah es: Ein Erdbeben, so stark wie noch nie. Der Balken meines Hauses krachte herunter, hätte mich fast erschlagen. Da war mir klar: Dann ist auch das Gefängnis kaputt und im schlimmsten Fall die Gefangenen geflohen! „Pass auf die beiden gut auf oder du lebst den letzten Tag in Philippi, hatte Ephratos gesagt – und der scherzte nicht. Also nahm ich mein Schwert und stürzte herüber. Und ich konnte niemanden entdecken. Da war mir klar: So wollte ich nicht mehr leben. Das hatte keinen Sinn. Ohne Job, außerhalb von Philippi. Was blieb mir denn dann? Nichts mehr. Und mir wurde alles bewusst, was ich in meinem Leben falsch gemacht hatte. Vor allem das, was ich nicht mehr ändern könnte. Was für ein Leben! Ich war kurz davor mich in mein Schwert zu stürzen. Doch dann hörte ich Paulus: „Tu dir nichts an! Wir sind alle hier!“ Und bei Licht betrachtet war es richtig: Kein einziger war geflohen. Aber wieso?
In diesem Moment war es mir klar: Mein Leben konnte so nicht weitergehen. Es musste geändert werden. Ich wollte etwas ändern. Etwas sinnvolles machen. Und vielleicht konnte ich auch all die Schuld loswerden? Es kam fast wie von selbst aus meinem Mund:“ Paulus, lieber Herr, was muss ich tun um gerettet werden.“ Und er fing an von Jesus zu erzählen, von seiner Begeisterung für die Menschen, für alle Menschen. Er fing an zu erzählen, dass Gott auch in schweren Zeiten bei den Menschen ist, dass man deshalb Gott auch im Gefängnis mit Singen loben kann.
Da wurde mir klar: Das war mein Weg. So sollten meine Familie und ich weiterleben. Ich nahm Paulus und Silas mit hinüber ins Haus und kümmerte mich um sie. Wie ein Schwamm sogen alle in meinem Haus auf, was Paulus und Silas erzählten. Ihr Leben schien so sinnvoll. Und meine Fehler sollten mich nicht mehr bedrücken.
Plötzlich erschien alles etwas sinnvoller. Ich fühlte mich wie aus einer Tiefe geholt, wie aus Fesseln befreit. Es war ein gutes Gefühl. Ein Gefühl zum lossingen: „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe: Hallelujah. Ich lobe meinen Gott, der mir die fesseln löst, damit ich frei bin – hallelujah“
Ja, zum singen fühlte ich mich. Paulus und Silas haben uns schnell verlassen. Paulus zwang die Ratsherren sogar noch, sich bei ihm zu entschuldigen. Sie hatten nicht gedacht, dass er römischer Staatsbürger war, die darf man nicht einfach so einsperren. Ephratos hättet ihr sehen sollen.
Ja, seit dem Tag, ist mir auch zum Singen. Ich lobe meinen Gott.
Amen.
Und jetzt nochmal den Bibeltext im Original, aus der Apostelgeschichte 16:
Nachdem man Paulus und Silas hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block.
Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.
Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so dass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen, und von allen fielen die Fesseln ab.
Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.
Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!
Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen. Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?
Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.
Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre euren Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen
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