Praktikum bei Gott – Predigt zu Pfingsten (1. Kor 2,10-16)

Liebe Gemeinde,
bald ist es in den Schulen wieder soweit. Nach den Pfingstferien werden die Noten gemacht und dann kommt die Zeit der Praktikas. Die Schülerinnen und Schüler machen sich auf um in einen Betrieb ihrer Wahl reinzuschnuppern, um eine Woche lang einen ganz normalen Arbeitsablauf mitzukriegen.
Und diese Praktikas sind wichtig, denn nur wenn man an der Arbeit in einem Betrieb richtig teilnimmt, versteht man, wie ein Betrieb funktioniert. Man kriegt eine Ahnung von Arbeitsabläufen und Vorgängen, die außenstehenden fremd sind. Deswegen sind in vielen Konzernen bei Antritt des Berufs oder der Ausbildung auch Praktikas in mehreren Abteilungen vorgesehen.
Und es ist richtig: Wieviel Ahnung hat denn ein Pfarrer von der Fließbandarbeit, eine Zahnarzthelferin von der eines Berufssoldaten und ein Landwirt vom Alltag einer Grundschullehrerin?
Praktika helfen zu verstehen. Aber wenn man Gott verstehen möchte, wenn man verstehen möchte wieso Jesus Christus gestorben ist und wieso das ganze mit Gottes Liebe zu tun haben soll, was macht man dann? Ein Betriebspraktikum bei Gott wäre eine tolle Sache, ist aber leider nicht möglich.
Vor der gleichen Frage stehen die Christen in Korinth und Paulus schreibt ihnen dazu im ersten Korintherbrief:
Uns aber hat Gott dieses Geheimnis durch seinen Geist enthüllt – durch den Geist, der alles erforscht, auch die verborgensten Gedanken Gottes. Nur Gottes Geist ist dazu imstande. Denn genauso, wie die Gedanken eines Menschen nur diesem Menschen selbst bekannt sind – und zwar durch den menschlichen Geist –, genauso kennt auch nur der Geist Gottes die Gedanken Gottes; niemand sonst hat sie je ergründet. Wir aber haben diesen Geist erhalten – den Geist, der von Gott kommt, nicht den Geist der Welt. Darum können wir auch erkennen, was Gott uns in seiner Gnade alles geschenkt hat.
Und wenn wir davon reden, tun wir es mit Worten, die nicht menschliche Klugheit, sondern der Geist Gottes uns lehrt; wir erklären das, was Gott uns durch seinen Geist offenbart hat, mit Worten, die Gottes Geist uns eingibt.
Ein Mensch, der Gottes Geist nicht hat, lehnt ab, was von Gottes Geist kommt; er hält es für Unsinn und ist nicht in der Lage, es zu verstehen, weil ihm ohne den Geist Gottes das nötige Urteilsvermögen fehlt. Wer hingegen den Geist Gottes hat, ist imstande, über alle diese Dinge angemessen zu urteilen, während er selbst von niemand, der Gottes Geist nicht hat, zutreffend beurteilt werden kann. Es heißt ja in der Schrift: »Wer hat jemals die Gedanken des Herrn ergründet? Wer wäre je imstande, ihn zu belehren?« Wir jedoch haben den Geist Christi bekommen, sodass uns seine Gedanken nicht verborgen sind.
Liebe Gemeinde,
ein Betriebspraktikum kriegen wir nicht, sagt Paulus, aber als Christen haben wir Gottes Geist. Gottes Geist, der uns verständlich machen soll, was – so schreibt Paulus – „Gott uns alles geschenkt hat“. Nur durch Gottes Geist können wir verstehen, dass durch den Tod Gott uns in unserer Trauer nahe kommen will. Nur durch den Geist können wir an die Auferstehung glauben und darauf vertrauen, dass Gott uns auch nach dem Tod begleitet.
Ohne den Geist Gottes ist der Tod von Jesu nur ein unbedeutendes Ereignis, denn es wurden tausende gekreuzigt. Und die Auferstehung? Ohne den Geist ist mit dem Tod alles aus. Und mit dem Geist? Mit ihm beginnt man ein bisschen Gottes Sicht auf die Welt zu verstehen. Man beginnt zu verstehen, dass Gott die Menschen seit Urzeiten begleitet, dass er Ihnen Liebe schenkt.
Gottes Geist, er ist ein bisschen so etwas wie ein Betriebspraktikum: Man erhält Einblicke in Gottes Gedanken.
Und wie bei einem Betriebspraktikum bleibt auch noch sehr viel unklar. Jeder von uns hat seine Fragen an Gott die er ihn vielleicht mal gerne fragen würde.
Wieso gibt es Naturkatastrophen? Wieso ging das und das in meinem Leben schief? Wieso bleiben Menschen kinderlos und haben Frauen Todgeburten. Und wieso wurde unsere Tochter von ihrem Mann verlassen?
Ich hoffe darauf, dass sich manches nach meinem Tod klärt. Dass Gott mir vielleicht manches erklären kann – aber vielleicht ist mir es nach meinem Tod gar nicht mehr wichtig.
Hier, in unserem jetzigen Leben, werden manche Fragen wohl nie zu klären sein. Damit müssen wir Leben. Und Paulus verspricht auch nicht, dass der Heilige Geist alles erklärt. Er sagt nur „Darum können wir auch erkennen, was Gott uns in seiner Gnade alles geschenkt hat.“
Aber ich glaube das schon viel. Der Heilige Geist, er ermöglicht eine andere Sicht auf diese Welt.
Ich habe eine Zeit lang mit meinen Schülern über Gott diskutiert. Da gab es die Gläubigeren, die daran geglaubt haben, dass Gott uns begleitet und die, die nicht so recht glaubten, für die Gott eine nette aber wirkungslose Idee war.
Man hat den Unterschied auf die Sicht der Welt gemerkt. Natürlich ist unsere Natur ein Ergebnis der Evolution, aber ist es nicht ein wunderschönes Geschenk Gottes, dass im Moment alles so schön blüht.
Natürlich ist der Sonnenschein auch ein Ergebnis des Klimawandels, aber ich freue mich lieber daran, dass wir gutes Wetter haben.
Und selbstverständlich könnte der Anruf eines Freundes wenn es mir schlecht geht reiner Zufall sein, aber ist es nicht vielleicht ein Engel Gottes, der gerade anruft?
Mit Gottes Geist kann man die Spuren der Liebe Gottes in der Welt erkennen. In der Natur, in unseren Freunden, aber auch im Tod eines Menschen namens Jesus.
Und Gottes Geist ist uns versprochen, einem Jeden von uns. Und das feiern wir heute.
Amen.
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