Nach dem Tod geht das Leben weiter – aber verändert das mein Leben? Predigt zum Sonntag Quasimodogeniti (Kol 2,12-15)

Es gilt das gesprochene Wort. Rechtschreib- und Grammatikfehler bitte ignorieren…

Liebe Gemeinde,

Ostern ist vorbei, zwei Wochen Ferien auch. Die Ostereier sind gegessen und was wir noch von Ostern haben sind 1-2 Kilo mehr und ein paar freie Tage.
Oder ist da noch mehr? Der heutige Sonntag stellt die Frage: Wie wirkt sich Ostern in meinem Leben aus? Hat es eine Auswirkung? Der heutige Predigttext verknüpft Ostern mit der Taufe. Er ist – das muss ich ihnen vorher sagen – voller Bilder dessen, was für den Verfasser des Kollosserbriefes die Taufe und das Ostererlebnis bedeuten.
So schreibt er:
Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.
Die Fürsten und Gewalten hat er entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat er über sie triumphiert.
Liebe Gemeinde,
begraben werden, auferstehen, Schuldscheine die ans Kreuz genagelt werden, Fürsten die öffentlich blamiert werden: Ein bisschen viel an Bildern.
Konzentrieren wir uns auf zwei Gedanken, die ich besonders wichtig finde:
Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
und später: Die Fürsten und Gewalten hat er entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat er über sie triumphiert.
Liebe Gemeinde,
letzten Dienstag hielt ich eine Beerdigung in …… Ein ….jähriger war am Gründonnerstag gestorben, am Karsamstag führte ich das Gespräch und am Dienstag wurde er beerdigt. Und die Tochter sagte zu mir: Herr Pfarrer, dieser Text würde vielleicht passen. Im 1. Korintherbrief: Jesus Christus ist auferweckt worden als erster der Verstorbenen.
Beide Texte, sie passen gut zusammen. Denn es geht um die gleiche Sache: Mit der Taufe wurden wir mit Christus begraben und mit ihm auch wieder auferweckt. Weil wir glauben, dass Gott die Macht dazu hat, dass er bereits Christus auferweckt hat. So sagt es der Verfasser des Kolosserbriefes.
Ich denke, das ist es, was zu sagen ist im Angesicht des Todes: So wie Christus begraben wurde, werden auch wir begraben. Unsere Verstorbenen und auch wir selbst.
Aber so wie Christus wieder auferweckt wurde und auferstanden ist, so werden auch wir wieder auferweckt und auferstehen. Ewiges Leben nennen wir diesen Zustand dann. Dieser Glaube ist ein Grundbestand des Christentums. Ist es Ihnen bewusst? „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“. So haben Sie es gerade vorhin bekannt.
Der Kollosserbrief beschreibt es noch anders: Die Fürsten und Gewalten hat er entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat er über sie triumphiert.
An zwei Arten von Fürsten und Gewalten kann man hier denken: Zum einen natürlich an die weltlichen Fürsten und Gewalten, die uns und unsere Familien bedrohen können. Aber eigentlich, so sagt er, sind sie unwichtig. Denn womit können Sie uns bedrohen? Im schlimmsten Fall mit dem Tod. Aber auch diese zweite Art von Gewalt hat Gott besiegt. „Tod, wo ist dein Stachel“ schreibt Paulus dazu?
Wie schlimm ist der Tod, wenn wir wissen, dass der Tod nicht das Ende ist?
Wie schlimm ist der Tod, wenn wir wissen, dass wir trotz des Todes mit Gott verbunden bleiben? Über den Tod hinaus?
Wie schlimm ist der Tod, wenn wir glauben, dass er nur ein Übergang ist in ein anderes Leben, ein Leben mit Gott?
Das kann schlimm sein, wenn Gott schlimm ist. Wenn wir erwarten, dass Gott uns bestrafen wird für alle unsere Fehler.
Viele haben sich mit diesem Gedanken gequält. Wenn ich mit meinem Grundschülern Martin Luther durchnehme, dann zeige ich Ihnen Bilder aus der Zeit Luthers. Teufel piesacken ein mit Gabeln, schmeißen dich ins Feuer und fügen dir Schmerzen zu.
Ja, wenn der Tod nicht das Ende ist, sondern der Anfang von so etwas Grausamen, dann ist er schlimm, sehr schlimm.
Doch glücklicherweise muss ich meinen Schülern mühsam klar machen, dass die Menschen Angst hatten.
Aber wieso, Gott liebt sie doch?“ fragen manche.
Und dieser Gedanken des „Wieso hast du Angst“ steckt auch in unserem Predigttext: Er schreibt von einem Schuldschein, auf dem unsere Verfehlungen stehen und der zerrissen wurde.
Gott ist nicht der, der unsere Fehler anschaut, und uns dann bestraft. Wenn wir mit Christus auferstehen, dann sind unsere Verfehlungen zerrissen.
Das heißt: Mit der Auferstehung erwartet uns Gottes Liebe.
Was bewirkt diese Erkenntnis, dieser Gedanke in unserem Leben?
Hat es eine Auswirkung, wenn wir wissen: Nach dem Tod erwartet uns ein liebender Gott?
Wie geht es Ihnen mit diesem Gedanken?
Ich habe versucht mir bewusst zu machen, wie es sich bei mir auswirkt. Und ich merke: Ich habe keine Angst vor meinem eigenen Tod. Zumindest jetzt nicht. Ich würde mir Gedanken machen, wie es meiner Familie geht, wer sich um sie kümmert und fände es schade zu gehen, aber Angst habe ich nicht.
Immer wieder beerdige ich Menschen, die so gelassen, in Vertrauen auf Gottes Liebe, in den Tod gehen und sterben können.
Außerdem nimmt es die Angst vor den Fürsten und Gewalten dieser Welt. In diesem Jahr denken wir an Dietrich Bonhoeffer. Das Vertrauen auf Gott hat ihm die Angst vor den Mächten des Dritten Reiches genommen. Er berichtet, dass er selbst sich viel Gedanken machte und Angst hatte aber seine Wächter und Mitgefangenen ihn auf seine Gelassenheit ansprachen.
Ich denke, das Wissen, dass Gottes Liebe nach dem Tod auf uns wartet, heißt auch: Weniger Angst vor den Fürchten und Gewalten. „Gott hat sie öffentlich bloßgestellt“ schreibt der Kollosserbrief.
Am schönsten finde ich es aber, wenn kleine Kinder über den Tod nachdenken. Für sie ist klar: Ist bei Gott, und bei Gott geht es Ihnen natürlich gut.
Kleine Kinder haben keine Angst vor dem Tod. Auferstehung ist für sie ein Grund zu Freude, denn das Leben bei Gott muss ziemlich lustig sein.
Immerhin, so behauptet meine Tochter, schaut mein Vater uns ständig zu, spielt mit Gott und feiert mit all den anderen Verstorbenen gemeinsam seinen Geburtstag.
Wenn wir sterben, ist der Tod nicht das Ende. Durch die Taufe sind wir mit Christus auferweckt worden. Wenn wir sterben, werden wir leben.
Wie das sein wird? Unerklärlich und schwer vorstellbar. Kinder können uns gute Ideen dafür liefern.
Was es für Auswirkungen in unserem Leben hat: Das können Sie mitbestimmen. Aber im besten Fall wird dieser Gedanke Sie erleichtern und befreien.
Amen.
UndderFriedeGottes,welcherhöheristalsalleVernunft,bewahreeurenHerzenundSinneinChristusJesus. Amen
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