Mit Gott Widerstände überwinden – Predigt zu Sexagesimae (Apg 16,9-15)

Liebe Gemeinde!
Der heutige Predigttext erzählt eine Geschichte aus längst vergangener Zeit. Eine Zeit, die so ganz anders war, als unsere heute.
Damals, zu Zeiten des Paulus, war Reisen noch mühsam. Am schnellsten ging es mit Pferden, aber wer hatte die schon außer den römischen Boten? Also musste zu Fuss gegangen werden, wenn man Glück hatte, nahm einen ein Karren mit. Richtig schnell ging es damals nicht.
Meere zu überqueren war schwer, nur zu bestimmten Zeiten möglich und auch gefährlich.
Von Kleinasien, der heutigen Türkei, nach Mazedonien in Griechenland überzusetzen war keine Kleinigkeit. Das musste man sich schon gut überlegen.
Paulus stand ganz plötzlich vor dieser Überlegung. So erzählt uns die Apostelgeschichte:
Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt.
Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen.
Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, so dass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da.
Und sie nötigte uns.

Liebe Gemeinde, der erste Widerstand ist überwunden. Paulus macht sich auf den Weg nach Mazedonien.
Wobei, wenn man sich es genau anschaut, dann war es nicht nur ein Widerstand, sondern mehrere: Der erste war wohl: Wer folgt schon einem Traum? Wenn mir im Traum ein Afrikaner erscheint und sagt: Komm herüber! , so werde ich nicht morgen nach Afrika aufbrechen.
Und falls ich es mir doch überlegen sollte, wird meine Frau, meine Familie, werden meine Freunde sagen: Spinnst jetzt?
Auch Paulus hatte Begleiter dabei, die werden auch erstmal nicht begeistert reagiert haben. Aber dieser Widerstand hält Paulus nicht auf „Wir waren gewiss, dass Gott uns dahin berufen hat“, so erzählt einer der Begleiter.
Doch dann kamen noch andere Widerstände: Der schwierige Weg, das Wetter. Und der lange Weg: Troas, Samothrake, Neapolis und dann Philippi. Erst hier wird eine längere Pause eingelegt. So lange Wege verlassen einen auch dazu zu sagen: Kehren wir wieder um! Zu Hause war es doch sowieso viel besser.
In Mazedonien zu missionieren war auch nicht so leicht wie gedacht. In Kleinasien war es klar: Da ging man zur Synode und erzählte den Juden und gottesfürchtigen Menschen – also denen, die Heiden war, aber sich an die Gebote hielten – von Jesus. Doch wohin in Philippi?
Eine römische Kolonie, voll von Heiden, voll von Göttern für jeden Bereich, ja sogar zur Sicherheit gab es damals sogar Altäre für einen „unbekannten Gott“.
Vieles gab es, nur so gut wie keine Juden und keine Synagoge. Da ist Einfallsreichtum gefragt und Paulus hat eine Idee, die auch heute noch funktioniert: Wo finde ich Gott, wenn nicht in einem Gebäude? In der Natur!
Also geht Paulus zum Fluss, weil er vermutet, dass er dort die Juden trifft.
Aber wen trifft er? Frauen! Gottesfürchtig zwar, aber bis heute ist es so: Im Judentum braucht man 10 Mann für einen Gottesdienst. Eigentlich schon wieder ein Grund um umzukehren und zu sagen: Lass gut sein, hier kommen wir nicht vorwärts.
Aber Paulus und Begleiter wagen es, sie kommen mit den Frauen ins Gespräch und reden auch über Gott, Jesus und das Evangelium, die gute Nachricht.
Und wenn ich daran denke, was Paulus so geschrieben hat, dann hat er gute Nachrichten im Gepäck: Davon, dass es vor Gott keine Unterschiede gibt: So ist weder Sklave noch Herr, weder Mann noch Frau: Ihr seid alle eins in Christus!
Und die Frauen hören zu. Vor allem Lydia, eine Purpurhändlerin. Doch, etwas strengt sie auch an. Nach diesem Erfolg muss man doch weiterziehen, weitererzählen, bis ans Ende der damaligen Welt missionieren!
Doch sie will, dass Paulus da bleibt, dass er weiter erzählt, mehr lehrt. Diesen Widerstand überwindet Paulus nicht. Er bleibt. Und muss dafür einen inneren Widerstand überwinden: Denn eigentlich hat er immer sein eigenes Geld verdient, für seinen Unterhalt gesorgt. Er will nicht, niemanden ausnutzen und will vermeiden, dass man schlecht über ihn reden kann.
Bei Lydia ist er erstmal nur eingeladen. Muss lernen, sich einladen zu lassen. Eigene Widerstände überwinden.

Obwohl die Geschichte aus längst vergangenen Zeiten stammt, eine Frage stellt sie uns: Wie gehen wir mit Widerständen im Leben um? Drehen wir gleich wieder um, wenn es schwierig wird? Wagen wir den Gang ins Unbekannte? Lassen wir uns von etwas abbringen, wenn andere uns für Verrückt erklären?
Fragen, die sich sicherlich jeder von uns schon gestellt hat.

Es lohnt sich einen Blick darauf zu werfen, warum Paulus die Widerstände überwunden hat. Zweimal gibt es einen Hinweis.
Das erste Mal ganz am Anfang, als es darum geht, ob er überhaupt nach Mazedonien aufbricht. „Wir waren gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen“.
Gottes Berufung, gibt Kraft, gibt Sicherheit. Hilft Widerstände zu überwinden.
Nun, heute tun wir uns schwer zu sagen: Gott hat uns berufen. Und es hört sich auch komisch an, zu sagen: Gott hat mich zum Pfarrer berufen oder zur Augenärztin oder zum Soldaten.
Aber vielleicht kann man es in andere Worte fassen. Ich denke es geht darum zu merken: Ist es das, was zu mir passt. Zu dem, wie Gott mich geschaffen hat? Mache ich das, was ich mache wegen anderen oder weil es mich dazu drängt?
Und: habe ich damit auch die Chance, die Gaben die Gott mir geschenkt hat, zu verwenden?
Wenn all das stimmt und Sie das Gefühl haben: Hier bin ich richtig! – Ja, dann hat sie Gott vielleicht an ihren Platz berufen. Und vielleicht ruft er sie auch wieder weg, hin an einen anderen Platz. Gott ist glaube ich ziemlich beweglich und fordert auch von uns, dass wir uns immer wieder bewegen. Es ist wichtig, sich immer wieder zu Fragen: Stehe ich noch am richtigen Platz? Gehe ich noch in die richtige Richtung?

Paulus geht nach Mazedonien, er und seine Begleiter spüren: Das ist unsere Richtung, da gehören wirr hin, werden gebraucht!
Und dann diese Szene am Fluss. Paulus tut das, was er am besten kann: Reden. Aber wird es etwas bringen?
Manchmal redet man ja gegen eine Wand, auch das kennt Paulus schon zu genüge.
Hier kommt ein zweiter Punkt hinein, der wichtig ist, wenn es darum geht, mit Widerständen umzugehen: „Der Herr tat Lydia das Herz auf, so dass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde.“
Plötzlich passiert etwas, plötzlich hört jemand zu und fühlt sich angesprochen. Plötzlich kommt Bewegung hinein, etwas geschieht, ohne dass man es ganz in der Hand hatte.
Es ist gut, wenn man danach sagen kann: Hier hat Gott gewirkt.
Wenn man aber vor dem Widerstand, vor der Mauer steht, dann ist es wichtig, auch mit dem Unerwarteten, mit der plötzlichen Bewegung zu rechnen. Vielleicht sagen wir danach dazu: Gott hat mitgewirkt.

Im Psalm 18 heißt es: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ Paulus ist im heutigen Predigttext über viele Mauern gesprungen. So wie auch wir mit Gott über Mauern springen können.
Amen.

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