Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (2. Kor 12,9) – Gottesdienst zum Altjahresabend mit der Jahreslosung 2012 (31.12.2012)

Liebe Gemeinde,
das Jahr ist fast zu Ende. Nur noch wenige Stunde und mit lautem Geknall begrüßen wir das Jahr 2013, wünschen uns alles Gute und Gottes Segen.
Zeit also zurückzublicken auf das Jahr 2012, das wir verabschieden. Auch dieses Jahr möchte ich die Jahreslosung hernehmen, um über das letzte Jahr nachzudenken. Das ist natürlich auch deswegen sehr schwierig, da alle unsere Jahre etwas anderes verlaufen sind. Aber vielleicht finden Sie Gedanken, in denen Sie sich wieder spiegeln.
Als wir am 6. Januar zum ersten Mal Gottesdienst hielten, da habe ich auch schon über die Jahreslosung gepredigt. Sie erinnern sich vielleicht, sie stammt aus dem 2. Korintherbrief, in dem Paulus schrieb: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn – und nun beginnt sie – meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Am 6. Januar haben wir den kleinen Tobias getauft. Ich habe darüber gepredigt, dass Gott verspricht, gerade bei den kleinen Kindern seine Macht zu zeigen.
Und ich glaube, es stimmt. Das glaube ich heute mehr denn je. Wie Sie alle wissen, wurde im August unsere kleine Hanna geboren. Ein kleines Wesen, das sofort alle in Beschlag nimmt und fasziniert: die Großeltern, die Eltern und vor allem: die große Schwester.
Und sie hat uns viel, viel Kraft gegeben, dieses kleine, schwache Wesen. Denn bei uns war es so, dass genau in dieser Zeit mein Vater ins Krankenhaus kam, der kurz darauf verstarb. Hanna war mit ihrem kleinen, beginnenden Leben ein Gegenpunkt zum Tod. Oft haben mir Leute gesagt: „Einer muss gehen, ein anderer kommt“. Für mich persönlich ein schrecklicher Spruch. Nein, Hanna hat mir gezeigt, dass das Leben trotz des Todes weitergeht und blüht.
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, manchmal ist Gottes Kraft durch die schwachen Babys besonders spürbar.
Viel Schwäche mussten wir spüren beim Sterben. Und ich habe auch gemerkt, wieviel Stärke geben kann. Mein Vater konnte sehr zuversichtlich sterben, da er vertraute, dass Gott auf ihn wartet. Und ich konnte ihn auch so gut gehen lassen. Und oft hat Miriam, unsere große, nach dem „Aua-Opa“ gefragt und ich habe ihr erzählt, dass er nun keine Auas mehr hat.
Mir ging es in diesem Jahr oft so, dass ich in der Schwäche der Trauer trotzdem irgendwie Kraft hatte. Manchmal habe ich Gott besonders gesucht, habe verzweifelt gefragt, was das eigentlich soll.
Und ich glaube auch das ist wichtig: In unserer Schwäche dürfen wir anklagen! Wir können kommen und sagen: Gott, dass passt so nicht! Ich verstehe das nicht!
Und dennoch – und vielleicht habe ich Glück gehabt – hat Gott sich nicht abgewendet, war er in meiner Schwäche mächtig.
Und vielleicht hatten Sie ähnliche schwache Momente dieses Jahr. Einige von Ihnen habe ich beim Tod ihrer Angehörigen begleitet. Andere haben um ihre Lieben bei Krankheiten gezittert. Wieder andere mussten miterleben, wie Familien zerbrochen sind und um die Kinder gestritten wurde.
Ich denke, jeder von uns hat dieses Jahr schlimme Sachen erlebt.
Wie ging es Ihnen? Haben Sie Gott in diesen Zeiten gespürt? Haben Sie ihn gesucht? Oder sind Sie sich nun sicher: Es gibt ihn nicht. Auch das wäre eine verständliche Reaktion.
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Ich denke auch wir als Gemeinde durften das spüren. Ich würde unser Gemeindeleben im letzten Dezember eher als äußerst schwach bezeichnen. Ganz ehrlich: Es gab so gut wie nichts.
Und was hat sich alles getan im letzten Jahr: Der Chor hat immer wieder geprobt und uns zur Gemeindeversammlung erfreut, auch wenn er immer noch an der Leitungsfrage kränkelt.
Einmal im Monat treffen sich Interessierte um über die Bibel zu reden.
Wir haben es geschafft, einen neuen Kirchenvorstand zu wählen, diesen festlich eingeführt.
Wir haben eine wunderschöne Konfirmation gefeiert und die meisten Konfirmanden freuen sich bereits auf die nächste.
Viele Familiengottesdienste für Jung und Alt haben unsere Gottesdienste bereichert.
Und was mich besonders freut: Einige Leute, die seit dem Konflikt nicht mehr in die Kirche kamen, kommen wieder.
Und vieles an diesem Erfolg liegt an uns. Wir – Sie als Gemeinde und ich als Pfarrer – haben hart gearbeitet.
Aber viel ist auch Gottes Geist. Viel haben nicht wir bewirkt, sondern ist einfach geschehen, hat Gott bewirkt.
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig: In unserer Gemeinde hat uns Gott das gezeigt.
Nun wechselt die Jahreslosung, aber vielleicht bleibt Ihnen diese Zusage Gottes in Erinnerung: Lasst euch an meiner Gnade genügen. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Amen.
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