Marta, du hast viel Sorge – Predigt zu Lukas 10,38-42 (Estomihi 2019)

Liebe Gemeinde,

ich mag unseren heutigen Predigttext – er ist voller menschlicher Emotionen, voller Gefühle, die ich sofort nachvollziehen kann. Die Geschichte ist zweitausend Jahre alt und findet trotzdem jeden Tag bei uns statt.

Beispielsweise: Ein Ehepaar kriegt Besuch. Sie rackert sich ab, sobald die Gäste da sind, rackert sich in der Küche ab und er setzt sich hin und legt die Beine hoch und unterhält sich bequem.

Da kann sie sich nicht mehr halten: Hilfst du mir endlich mal!

Oder: Zwei Schwestern haben Freunde eingeladen. Eine ist aufgeregt, dreht vollkommen auf. Die Schwester freut sich, dass die Freunde da sind und kümmert sich um sie. Es muss ja nicht alles perfekt sein. Da geht der schöne Moment kaputt, indem die fleißige Schwester rumschnauzt: Mach doch auch mal was!

Oder: Zwei Kinder helfen ihren Eltern. Die eine viel die andere wenig. Da kommt die erste angelaufen: Papa, ich muss alles allein machen!

Geschichten, aus dem Leben gegriffen. So wie es auch Lukas die folgende Begebenheit mit Jesus beschreibt (Luk 10,38-42):

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.

Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!

Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.

Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Liebe Gemeinde,

ich bin Marta, vom Typ her: Ich bin auch eher der Gschaftlhuber, der was machen muss, der in Action ist, der manchmal schwer ruhig wird.

Meine Frau ist eher Maria. Und manch einer im Bibelkreis sagte: Ich bin beides, je nachdem.

Marta hat viel Sorge und Mühe. Kein Wunder, offensichtlich konnte sie nicht vorbereiten, nicht dazugekommen oder zu spät erfahren.

Also muss jetzt alles schnell geschehen Das Essen hergerichtet, das Bettlager vorbereitet und vielleicht geht es Marta wie mir manchmal: So richtig zur Ruhe kommen kann sie erst, wenn alles fertig ist. Dann kann sie zur Ruhe kommen, so richtig, aber erst dann.

Kein Wunder, finde ich, dass sie sich über ihre Schwester ärgert, ja, sieht die denn die ganze Arbeit nicht?

Kein Wunder, dass sie innerlich sich so ärgert, dass sie ihre Schwester vor versammelter Mannschaft bloßstellt. – Wenn es auch nicht hätte sein müssen.

Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“

Doch Jesus merkt ihren Stress, ihre Aufregung. Er sieht es und spricht es aus: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.

Das ist einfach erstmal Anerkennung, dass sie sich abmüht.

Jesus hat diese wunderbare Fähigkeit, Menschen schnell zu erfassen.

Er schimpft beispielsweise Maria nicht. Er merkt: Es ist das, was ihr entspricht: Sich hinsetzten, zur Ruhe kommen, zuhören.

Und er schimpft auch Marta nicht. Er könnte auch ganz anders reagieren: „Was unterbrichst du mich? Hast mich doch eingeladen!“ Oder: „Schimpf nicht mit Maria! Die hört mir wenigstens zu!“

Nein, er merkt: Marta braucht die Anerkennung, dass sie viel Arbeit: du hast viel Sorge und Mühe.

Und dennoch weiß er auch, dass die Arbeit, die Sorge und Mühe Marta nicht glücklich machen. Marta ist nicht glücklich und zufrieden.

Und vor allem: Sie verpasst einen Moment, den sie nie wieder kriegen wird: Zeit mit ihm, Zeit auf seine Reden, seine Botschaft zu hören.

Marta, Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Ein kryptischer, unverständlicher Satz. Viel einfacher wäre doch zu sagen: Maria hats genau richtig gemacht. Setz dich auch mal hin, entspann dich.

Aber unser Text geht ja nicht nur um Marta. Er ja aus dem Leben von jedem von uns.

Die Frage ist: Was ist bei uns, das eine, das Not ist?

Was ist unser Guter Teil, auf den wir achten müssen?

Für Marta und alle viel Beschäftigten kann es die Ruhe sein.

Für Maria kann es das in die Gänge-kommen sein.

Für andere das sich entscheiden, was nun dran ist.

Für alle von uns ist es aber sicherlich das: Wenn Gott zu uns spricht, zuhören. Sich hinsetzen und darauf konzentrieren.

Egal ob bei Leuten, mit denen wir reden, beim Lesen in der Bibel oder beim Hören von guter Musik.

Oder mit einer Übung, die einer im Bibelkreis erzählt hat, und die ich Ihnen weitersagen darf: Sich hinsetzen und mal bewusst nichts tun. Nicht lesen, nicht aufspringen, nicht nachdenken, was noch alles zu tun ist. Still werden. Und hören, was Gott sagt.

Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Edit: Beim halten der Predigt fiel mir auf, dass das Lied „Einmal“ von Mark Forster sehr gut zum Thema der Predigt passt.

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