Kinder Gottes: Predigt zum Weihnachtsfest (Gal 4,4-7)

Liebe Gemeinde,
fühlen Sie sich noch als ein Kind? Ist es Ihnen wichtig, dass Sie ein Kind Ihrer Eltern sind? Oder sind Sie schon so erwachsen, dass dies nicht mehr so wichtig ist?
Der Apostel Paulus will der Gemeinde in Galatien klar machen, dass sie nicht erst Juden werden müssen, um als Christen Kinder Gottes zu sein.
Und so schreibt er in unserem heutigen Predigttext:

Aber als die Wartezeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er wurde von einer Frau geboren und war dem Gesetz unterstellt. Dadurch wollte Gott alle freikaufen, die dem Gesetz unterworfen waren.Auf diese Weise wollte Gott uns als seine Kinder annehmen. Weil ihr nun seine Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt. Der ruft: „Abba, Vater“!
Du bist also kein Sklave mehr,sondern ein mündiges Kind. Wenn du aber Kind bist, dann bist du auch Erbe.
Dazu hat Gott dich bestimmt.

Liebe Gemeinde,
Ein Kind sein, das ist man nie allein. Man ist immer das Kind seiner Eltern. Als Babys lernen wir: Meine Eltern sind da. Sie kommen, wenn ich schreie, sie kümmern sich um mich.
Als Kleinkind brauchen wir den Abstand zu unseren Eltern, aber zu weit weg dürfen sie auch nicht sein.
Als Teenager können die Eltern manchmal gar nicht weit genug weg sein und dennoch braucht man sie immer wieder.
Wir, als Kinder unserer Eltern, bemühen uns auch immer unsere Eltern zu erfreuen, wir versuchen sie möglichst nicht zu enttäuschen. Das gehört wohl zum Kind sein dazu und bleibt auch im Erwachsenen-Alter ein Thema.

Wichtig ist, dass sich schon von der Geburt an ein Grundvertrauen bildet. Dass die Kinder wissen: wenn ich sie brauche, sind meine Eltern da. Sie kommen, wenn ich schreie, sie trösten mich wenn ich Angst habe.
Wenn ich dieses Grundvertrauen habe, dann weiß ich irgendwann: Meine Eltern lieben mich und auch, wenn ich Fehler gemacht habe, darf ich zu Ihnen kommen.

Auch im Glauben braucht es dieses Grundvertrauen. Auch im Glauben ist es wissen, dass man nicht ständig um die Liebe Gottes kämpfen muss. Das wäre das „Gesetz“, wie es Paulus nennt: Überspitzt gesagt: Gott liebt einen, weil man sich an die Regeln hält.
Das ist ein gutes Gefühl, für die, die sich an die Regeln Gottes halten können. Für alle die, die absichtlich oder unabsichtlich mal was falsch machen, ist es eine schreckliche Sache. Man wird zum Sklaven des Gesetzes, zum Sklaven der Regeln und des „du sollst“.
Paulus wehrt sich dagegen. Er schreibt: Aber als die Wartezeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Dadurch wollte Gott alle freikaufen, die dem Gesetz unterworfen waren. Auf diese Weise wollte Gott uns als seine Kinder annehmen. Weil ihr nun seine Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt. Der ruft: „Abba, Vater“! Du bist also kein Sklave mehr,sondern ein mündiges Kind.
Das ist die Bedeutung von Weihnachten für Jesus: Dass Gott seinen Sohn schickt, damit wir vom Gesetz, von den Regeln frei werden. Damit wir auf Gottes Liebe vertrauen können, damit wir merken und aussprechen können: Gott, du bist unser Vater. Anders gesagt: Dass wir keine Sklaven des Gesetzes mehr sind, sondern mündige Kinder.
Das alles geht nur durch das Leben von Jesus, der uns Gott so verständlich machen konnte, wie kein Mensch vor ihm. Der die Liebe Gottes konsequent gelebt hat und der von den Toten auferstanden ist.

Paulus geht noch einen Schritt weiter. Er sagt: Als Kinder seid ihr auch Erben. Etwas Erben bedeutet immer auch: Verantwortung haben, Entscheidungen treffen.
Das heißt: Wir sind für uns, für unsere Mitmenschen, für die Welt verantwortlich. Wir dürfen uns nicht darauf ausruhen, dass Gott uns liebt und sagen: Ach wie schön, aber die Probleme der Welt interessieren mich nicht.
Sondern: wir sind gefragt diese Welt zu gestalten. Jeder nach seinen Möglichkeiten. An Weihnachten und im Rest des Jahres.
Denn dazu, schreibt Paulus, hat Gott dich bestimmt.
Amen.

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