In jedem das Beste sehen – Predigt zum Sonntag Jubilate (1. Joh 5,1-4)

Liebe Gemeinde,
ich glaube jeder Mensch hat mindestens eine Person, mit der er gewaltige Probleme hat. Eine Person, bei der man am liebsten den Raum verlassen würde, wen sie ihn betritt.
Manchmal findet man einen einfach unsympathisch.
Manchmal hat diese Person jemanden verletzt.
Manchmal liebt man sich eigentlich auch, aber hatte einen Riesen-Streit.
All das ist ganz normal in unserer Welt. Wir sind Menschen und als Menschen muss und kann man sich nicht mit jedermann verstehen. Zu unserer Welt gehört, dass es Menschen gibt, die man nicht mag. Menschen, die sich unmöglich aufführen und Menschen die schreckliches tun.
Zu unserer Welt gehört der Streit am Arbeitsplatz, der Ehestreit, Schlimmer noch: Morde und Terrorismus. Aber ich denke, mit Mördern und Terroristen haben wir in unserem Alltag nicht oft zu tun. Eher haben wir mit dem Arbeitskollegen zu tun, der unerträglich ist oder mit dem Freund, mit dem es einen Krach gab.
Wie gehen wir mit dem Gegenüber um?
Bleiben wir in unserer Wut, unserem Ärger über den Anderen? Schaffen wir es in ihm oder ihr noch das Gute zu sehen? In einer Beziehung die Liebe zu spüren?
Oder glauben wir: die Person ändert sich nicht mehr! Da ist schon Hopfen und Malz verloren.
Unser Predigttext sagt: An Eurem Umgang mit dem Anderen, sieht man, ob ihr Christen seid. Unser Predigttext hält uns den Spiegel vor, zwingt uns ehrlich zu uns selbst zu sein.
Er steht im 1. Johannesbrief im 5. Kapitel:
Wer glaubt: Jesus ist der Christus, hat Gott zum Vater. Und wer seinen Vater liebt, liebt auch seine Geschwister, die ja denselben Vater haben.
Ob wir die Kinder Gottes lieben, erkennen wir daran:
Wir lieben Gott und halten seine Gebote. Denn unsere Liebe zu Gott äußert sich darin,dass wir seine Gebote halten. Und es ist nicht schwer, seine Gebote zu halten.
Denn jeder, der Gott zum Vater hat, besiegt die Welt.
Dabei ist es unser Glaube, mit dem wir diesen Sieg über die Welt erringen.
Liebe Gemeinde,
Wer glaubt, Jesus ist der Christus, der von Gott auserwählte, der Gesalbte, der hat Gott zum Vater. – Was macht einen Vater aus?
Ich denke ein Vater liebt seine Kinder – bedingungslos. Er liebt sie, auch wenn sie ihm auf die Nerven gehen, sich mit ihm streiten. Er liebt sie, weil sie seine Kinder sind.
Menschliche Väter haben ihre Grenzen. Es ist eine bedingungslose Liebe, aber sie ist nicht Grenzenlos. Da ist der Vater, der als überzeugter Christ in der Bibel liest, dass aktive Homosexualität nicht erlaubt ist.
Und sein Sohn outet sich als bekennender Schwuler. Eine Grenze wurde da für ihn überschritten und er will mit seinem Sohn nichts mehr zu tun haben.
Da ist der Vater, der seine Tochter verstößt, weil sie den falschen geheiratet hat: Jeden hättest du nehmen können, aber diesen nicht! Ruft er ihr zum letzten Abschied nach.
Da ist der Vater, dessen Sohn plötzlich das Erbe fordert. Du stirbst sowieso bald! Sagt er und geht mit dem Geld. Der Vater ärgert sich so sehr, dass er nichts mehr mit ihm zu tun haben will.
Menschliche Väter haben ihre Grenzen. Auch das gehört zum Mensch sein, zu der Welt, in der wir leben.
Die Bibel beschreibt Gott als Vater anders: Als der Sohn, der das Erbe gefordert hat und das Geld verprasst hat, zurück kommt, umarmt ihn sein Vater. Er war traurig, dass er weggegangen ist und ist froh, dass der Sohn wieder da ist. Er beschützt ihn sogar vor seinem ärgerlichen Bruder.
Das ist schon über-menschlich. Es ist eine bedingungslose und grenzenlose Liebe.
Gott der Vater sieht das Gute in uns. Er sieht unser Potential, selbst wenn wir es durch unsere Handlungen verdecken. Er sieht in jedem von uns das Beste.
Und wer seinen Vater liebt, liebt auch seine Geschwister, die ja denselben Vater haben.
Gott sieht in mir das Beste. Gott lieben heißt: Ich nehme ihn ernst. Ich versuche zu verstehen und vor allem anzunehmen, dass Gott die geniale Fähigkeit hat, in uns allen das Beste zu sehen. Und weil ich Gott ernst nehme, versuche ich im Anderen das Beste zu sehen – so wie Gott.
Das ist leicht, bei Leuten die ich liebe. Und extrem schwer, bei Leuten, die ich nicht mag.
Es ist extrem schwer, im Höhepuntk des Streites, den ich mit meinem Partner habe, in ihm das Beste, seine liebenswertesten Eigenschaften zu sehen.
Aber genau das bedeutet Gott ernst nehmen, ihn lieben: Genauso wie er im anderen das Beste zu sehen.
Sich nicht zu denken: Der will mich nur ärgern mit dem was er sagt und tut.
Sondern innezuhalten und sich zu überlegen: Warum tut er, sie das. Und erst danach etwas zu sagen. Oder manchmal besser zu schweigen.
Wenn wir das schaffen, halten wir Gottes Gebote, so möchte ich behaupten. Denn wir erfüllen das, was Jesus als das Höchste der Gebote bezeichnet hat: Liebe Gott und lieben deinen Nächsten wie dich selbst.
Und es ist nicht schwer, seine Gebote zu halten. Behauptet der Predigttext: Denn jeder, der Gott zum Vater hat, besiegt die Welt.
Ich finde es sehr schwer, das Gebot der Liebe zu halten. Ich finde es sehr schwer mir bei der Person, der ich aus dem Weg gehe, zu überlegen was ihr bestes sei.
Ich finde es sehr schwer mitten in einem Streit zu bedenken, was ich am anderen liebe.
Es ist extrem schwer die drei Gebote: liebe Gott, liebe deinen Nächsten, liebe dich selbst zu halten!
Aber es ist es wert es zu versuchen. Denn es ist uns ja ein Versprechen mitgegeben: Denn jeder, der Gott zum Vater hat, besiegt die Welt.
Dabei ist es unser Glaube, mit dem wir diesen Sieg über die Welt erringen.
Die Welt besiegen, das heißt: Die Welt verändern.
Die Welt verändert sich, wenn wir es schaffen, im Anderen das Beste zu sehen.
Die Welt verändert sich, wenn wir mit der Person, der ich nicht begegnen will, in einem Raum zu sein.
Die Welt verändert sich, wenn ich mich mit meinem Partner wieder versöhne und den nächsten Streit im Keim ersticke, weil ich mich zurückhalte.
Die Welt verändert sich, wenn ich bereit bin zu vergeben.
Ich finde: Die Veränderung der Welt ist die Mühe, dass wir versuchen das Beste im Anderen zu sehen, wert. Amen
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