Ich bin heilig: Predigt zu Daniel 7

Die folgende Predigt beinhaltet Teile des Lesegottesdienstes des Gottesdienstinstituts zum 1. November 2020 (Allerheiligen). Sie ist daher nicht als Creative Commons lizensiert.

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext ist eigentlich der von Allerheiligen, aber ich fand ihn so spannend, ich wollte ihn mir nicht entgehen lassen.

Spannend ist schon, dass im Evangelischen Gottesdienstbuch ein eigener Abschnitt zu Allerheiligen existiert und dann dieser Text: Ich lese ihn aus dem Buch Daniel, im 7. Kapitel:

1 Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf: 2 Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf.

3 Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere.

13 Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.

14 Ihm wurde gegeben Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.

15 Ich, Daniel, war entsetzt, und dies Gesicht erschreckte mich.

16 Und ich ging zu einem von denen, die dastanden, und bat ihn, dass er mir über das alles Genaueres berichtete. Und er redete mit mir und sagte mir, was es bedeutete.

17 Diese vier großen Tiere sind vier Königreiche, die auf Erden kommen werden.

18 Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen und werden’s immer und ewig besitzen.

27 Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.

Daniel lebt zur Zeit des babylonischen Exils.

Während die Israeliten in das Zweistromland verschleppt nur Finsternis sehen, weil sie in der Fremde leben mussten, weil ihr Heimatland erobert wurde und der Tempel Gottes in Jerusalem zerstört wurde – während die Israeliten ihren Blick nur nach unten richten können, deprimiert und verstört, darf der Prophet Daniel nach oben schauen. Gott eröffnet ihm den Himmel und lässt Gottes Hoffnung für Israel schauen.

Es ist eine Hoffnung, die die wirkliche Bedrohung Israels, wie es das Volk immer wieder erfahren und erleiden musste, ernst nimmt.

Die vier großen Tiere, von denen eingangs die Rede ist, stehen für unterschiedliche Weltmächte, die wie böse Urgewalten dem furchtbaren Urmeer entsteigen und sich Israels bemächtigen. Da ist es egal, ob es einmal die Babylonier waren, die Perser, die Nach-folgemächte des Alexander-Reiches oder zuletzt die Römer. Die Israeliten lagen ungünstig auf einer Durchzugroute, sie wurden immer wieder erobert. Das kannten sie schon: Königreiche kommen und gehen, wir sind ein Spielball.

Doch Daniels Traum hat ein Gegenüber dazu: Eine Gestalt, die aussieht wie ein Mensch, ein Menschensohn. Er kriegt die Macht von dem, der Uralt ist – von Gott.

Dass Gott der Uralte bezeichnet wird, sagt schon aus:

Gottes Macht ist nicht die eines alten Mannes mit langem weißen Bart. Gottes Macht ist vielmehr größer und stärker als alle bedrohlichen Mächte und Reiche dieser Erde. Gottes Macht ist größer, weil sie viel älter ist als Könige und Despoten unserer Weltzeit. Mächte und Gewalten kommen und gehen, während Gott, der ewige und allmächtige, mit seiner Macht bleibt.

Die Vision des Daniel ist damit von höchster politischer Bedeutung. Sie stellt den allmächtigen Gott, zu dem wir uns mit den Worten des Glaubensbekenntnisses bekennen, letztlich den irdischen Mächten entgegen. Und wenn in vielen Ländern Leid und Unterdrückung herrscht, dann sagt dieser Text: Du Unterdrücker wirst vergehen. Gott wird bleiben.

Diese Gestalt des Menschensohns, sie entwickelt sich weiter, zu einem Retter, einem Messias und Jesus greift sie auf, er bezieht sie auf sich.

Daniel erschrickt vor der Macht des Menschensohnes: „Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, sein Reich hat kein Ende.“

Das lässt einen erschrecken, schon wieder Alleinherrschaft.

Doch die Vision des Davids geht weiter: Die Macht des Menschensohns wird geteilt: „Die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen“

Aber wer sind die Heiligen, die wir auch im Glaubensbekenntnis bekennen: Die heilige christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen?

Nun, es ist nicht die Heiligsprechung durch die Kirche, die die Heiligen heilig macht.

Sanctus, Heilig, heißt eigentlich: Von der Welt abgegrenzt und Gott zugeteilt. Zu Gott gehörend. Das macht Menschen, Dinge und Handlungen heilig.

Wir sind durch die Taufe Gott zugeteilt.

Tauffenster der Versöhnungskirche Neunburg. Foto: Tanja Kraus/Archiv der Kirchengemeinde Neunburg. Lizensiert als Creative Commons
Tauffenster der Versöhnungskirche Neunburg. Foto: Tanja Kraus/Archiv der Kirchengemeinde Neunburg. Lizensiert als Creative Commons

Unser Tauffenster taucht den Taufstein in ein Rot, der Farbes des Heiligen Geistes. Durch die Taufe gehören wir zu Gott. Durch die Taufe sind wir Heilig, „Heilige des Höchsten“.

Durch die Taufe, wird sein Reich mit uns geteilt.

Mir tut das gut: Ich bin heilig. Egal wie ich bin, ich muss nicht mal alles richtig machen: Ich bin heilig.

Das bin ich auch wenn ich sterbe, wenn ich tot bin: Ich bleibe heilig. Zu Gott gehörend.

Amen.

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