Gottesdienst zur Ausstellung „Geschichten der Schuldenkrise“ (erlassjahr.de)

Vorbereitungsgebet
Wir alle hatten schon einmal Schulden. Wir haben jemanden schon etwas geschuldet.
Waren jemand etwas schuldig und haben uns Ent-Schuldigt.
An vielen Dingen sind wir Schuld.
Wir sind Schuld, weil wir Falsches tun. Absichtlich oder unabsichtlich. Wir verletzen andere, stören unsere Beziehung zu Ihnen. Wir tun anderen Unrecht.
Da hilft manchmal auch keine Entschuldigung.
Und wir kennen die andere Seite der Medaille. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn uns Unrecht getan wird.
Gott steht auf der Seiten derer, die Unrecht erleiden.
Lasst uns den Psalm 43 beten, EG Nr 755
Schulden erlassen. Auf etwas verzichten. Manchmal brauchen wir das Geld, das wir verliehen wurde, noch nicht einmal zurück.
Aber dennoch: Die Schulden erlassen? Sagen: Gut ist’s, lass es sein?
Jesus erzählt davon, dass es gut ist, Schulden zu erlassen. Leben zu ermöglichen.
Ein Gedanke, der uns entsetzt. Wir kommen an die Grenzen unserer Vorstellungskraft: Was wäre, wenn wir das Täten?
Unsere engen Grenzen, unsere Beschränktheit im Denken und Handeln bringen wir vor Gott:
Kyrie: 083 Meine engen Grenzen
Gott erlässt Schulden. Er vergibt uns unsere Schuld, unsere engen Herzen, unsere Begrenztheit. Er will unser Herz weiten, unser Leben erweitern.
Unser Herz soll Gott loben, erzählen sollen wir von seinen Wundern:
Gloria 02 Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen

Predigt

Liebe Gemeinde,
Schuldenkrise, Schuldenschnitte, Schuldenerlasse, Milliarden von Euro.Früher stand das alles mal im Wirtschaftsteil, inzwischen ist das Geld in den Hauptteil der Nachrichten vorgerückt. Ich habe manchmal das Gefühl: Die Nachrichten bestehen nur noch aus Wirtschaftsnachrichten, aus der Frage wer wieviel zurückzahlen kann.
Das hat vielleicht damit zu tun, dass ganzes Leben inzwischen von Geld bestimmt ist. Und so achten wir auf unser Geld. Wir wollens zurück. Was uns gehört, muss auch zurückgezahlt werden! Jedem das Seine und besonders: Mir das Meine!
Und nun kommt eine Aussstellung und behauptet kurz gesagt: So einfach ist das nicht. Sie sagt: Überlegt euch, ob euer Geld, das euer Staat, eure Banken herleihen, hilft oder den anderen erdrückt. Ob es am Leben hindert oder es fördert.
Und muss man Geld, dass am Leben hindert oder es sogar zerstört, zurückzahlen?
Die Ausstellung kommt von einem Verein, der sich einen biblischen Namen gegeben hat: erlassjahr
Eine Bestimmung in der Bibel in der es um Schulden und den Umgang mit Geld geht. Fast ein ganzes Kapitel widmet sich dem Erlassjahr, Nämlich im Buch Levitikus, dem 3. Buch Mose, das 25. Kapitel.
Einige Verse will ich Ihnen als Predigttext vorlesen:
Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinbergbeschneiden und die Früchte einsammeln,aber im siebenten Jahr soll das Land dem HERRN einen feierlichen Sabbat halten;
da sollst du dein Feld nicht besäen noch deinen Weinberg beschneiden.
Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen imLande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlassjahr für euch sein. Da soll ein jederbei euch wieder zu seiner Habe und zu seiner Sippe kommen.
Wenn dein Bruder neben dir verarmt und nicht mehr bestehen kann, so sollst du dich seiner annehmen wie eines Fremdlings oder Beisassen, dass er neben dir leben
könne;und du sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Aufschlag, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, dass dein Bruder neben dir leben könne.
Denn sie sind meine Knechte, die ich aus Ägyptenland geführt habe. Darum soll man sie nicht als Sklaven verkaufen.
Liebe Gemeinde,
das Erlassjahr hat weitreichende Bestimmungen: Das Land muss ruhen, es darf nicht bestellt werden. Sklaven werden frei gelassen. Der gekaufte Besitz wird zurückgegeben. Die Schulden erlassen. Die Armen werden versorgt.
Und Zinsfreiheit sorgt dafür, dass sie die Armen nicht wieder verarmen.
Heftige Bestimmungen. Stellen Sie sich das vor: Sie dürften ein Jahr nicht arbeiten. Das ganze Land würde nicht arbeiten. Ihre Angestellten müssten nicht arbeiten. Mit ihren Vorräten würden Sie die Armen mitversorgen. Und Land, das Sie erworben haben, müssen Sie wieder zurückgeben.
Eine Umverteilung würde stattfinden. Die Armen reicher, die Reicheren Ärmer. Und wo wären Sie, wo wäre ich?
Alle 50 Jahre sagt Gott zum Volk Israel, alle 50 Jahre soll ein Erlassjahr sein. Oder – wie es auch heißt: Ein Jubeljahr!
Das ist übrigens nicht das einzige Gebot, dass sich um das Geld und die Schulden kümmert. Zwei andere sind ebenso wichtig:
Das Abgabegebot und das Sabbatjahr. Im Abgabegebot heißt es, dass jeder alle 3 Jahre 10% seines Vermögens an Bedürftige abgeben soll.
Und das Sabbatjahr kehrt alle 7 Jahre wieder: Jedes 7. Jahr soll alle Arbeit ruhen. Auch das Land soll seine Ruhe haben. Die Felder wachsen wild, an Ihnen können sich die Bedürftigen, die Witwen und Waisen bedienen.
Vertraue auf Gott, im 6. Jahr wirst du genug haben für das 7. Jahr“, so sagt Gott.
Und: Alle 7 Jahre werden die Schulden annulliert und die Sklaven entlassen.
Das sind heftige Forderungen, denn natürlich folgen auch mal ein Sabbatjahr auf ein Abgabejahr oder ein Erlassjahr auf ein Sabbatjahr. Dann wir zwei Jahre hintereinander kein Feld bestellt. Theoretisch.
Wir wissen nicht, ob es je ausprobiert wurde, ob die Regeln je im alten Israel galten.
Aber spannend sind diese Regeln, denn sie zeigen einige Prinzipien, wie sich Gott unseren Umgang mit Geld und Schulden wünscht.
Was sind also die Prinzipien hinter den erwähnten Geboten?
Zum einen geht es um soziale Gerechtigkeit: Wenn das Land zurückgegeben wird, dann wird die Existenzgrundlage wiederhergestellt. Denn nach biblischer Überzeugung, war das Land eigentlich Gottes Besitz und er gibt das Land jedem Stamm zum Leben. Land außerhalb des Stammes zu verkaufen war verboten und mit der Wiederherstellung der ursprünglichen Besitzverhältnisse wurde auch wieder die Chance auf die eigene Lebensgrundlage wiedergegeben-
Auch die Entlassung der Sklaven und das Sabbatjahr und das Ablassgebot zeigen: Gott will soziale Gerechtigkeit. Er will, dass die Menschen frei sind, die Witwen, Waisen und Leviten – die kein Land besitzen – genug zum Leben haben. Genug zum Leben, dazu sollen die Erlassjahr-Gebote helfen.
Zum zweiten geht es um Gottvertrauen: Wenn das Land alle 7 Jahre ruht muss ich darauf vertrauen, dass Gott im 6. Jahr genug schenkt. Das ist ein großes Gottvertrauen.
Zum dritten geht es um Großzügigkeit und Freiheit. Nicht nur die Freiheit der Sklaven, auch innere Freiheit. Alle 3 Jahre sollen 10% abgegeben werden. Das ist schon Großzügig. Schauen Sie beim Rausgehen in den Geldbeutel, ob Sie bereit wären, 10% seines Inhalts herzugeben – Wer viel drin hat wohl eher nicht. 10% abgeben, das ist viel. Und dann auch noch alle 7 Jahre die Sklaven entlassen und die Schulden erlassen und im 50. Jahr zusätzlich zu all dem sich noch um die Armen kümmern. Da muss man Großzügigkeit üben.
Und es übt in Verzicht. Da möchte ich behaupten: Das ist gar nichts schlechtes. „Teilen macht Spass“ hat die Linke im Wahlkampf plakatiert. Ob es Spass macht – darüber kann man streiten. Aber teilen macht einem klar, dass Geld oder Land oder sonstiger Besitz nicht das Wichtigste ist. Teilen befreit aus der Konzentration auf das Geld verdienen, es befreit zum Leben.
Bei Jesus ging es um genau die gleichen Prinzipien: Soziale Gerechtigkeit, Geld muss zum Leben da sein, Gottvertrauen, Großzügigkeit und die Freiheit zum Leben.
Heute leben wir in einer anderen Welt. Wir haben keine Sklaven mehr und die meisten von uns besitzen kein Land. Wir verdienen unser Geld oder haben es bereits verdient. Und dennoch glaube ich, dass die erwähnten Grundprinzipien heute immer noch anwendbar sind.
Und die Bibel fragt: Setzt du dein Geld nach diesen Grundprinzipien ein? Legst du es entsprechend an? Was macht dein Staat? Achtest du darauf, was deine Politiker machen?
Darum haben wir diese Ausstellung geholt, sie soll Augen öffnen. Sie soll uns an die Prinzipien der Bibel, die Forderung Gottes und Jesu erinnern. Sie soll daran erinnern, dass Geld immer nur einen Sinn hat: Dem Leben zu dienen. Und zwar nicht nur meinem Leben, sondern dem Leben aller.
Ich weiß nicht, wie Sie mit Geld umgehen. Ob es Ihnen wichtig, vielleicht manchmal zu wichtig ist. Ob sie auf seine Verwendung achten oder einfach nur zur nächsten Bank gehen. Ob Sie darauf achten, was unsere Politiker mit dem Geld tun oder Ihnen Politik egal ist.
Da ich es nicht weiß, einige Vorschläge, was Sie tun können, damit Geld dem Leben dient:
1. Achten Sie darauf, dass Geld Sie nicht gefangen nimmt. Im Film Wall Street – Geld schläft nicht, den wir gezeigt haben, heißt es: Geld ist eine eifersüchtige Hure. Sie schläft neben dir und passt auf dich auf.
Etwas übertrieben das Bild, aber eine gute Warnung.
Wenn Sie austesten wollen, wie es Ihnen mit Geld geht: Erlass Sie doch mal jemanden der Ihnen Geld schuldet einen Teil. Oder schenken Sie einen Teil von Ihrem Geld her.
2. Achten Sie darauf wie Sie ihr Geld anlegen. Verschwindet es bei einer Großbank und Sie wissen nicht ob davon mit Lebensmittel spekuliert wird oder Arbeiter ausgebeutet werden?
Oder legen Sie ihr Geld so an, dass Sie sagen können: Da habe ich ein halbwegs gutes Gewissen.
In der Ausstellung und beim Material finden Sie einige Hinweise dazu.
3. Achten Sie darauf, was die Politik macht. In unserer Ausstellung finden Sie meines Erachtens viele Beispiele, wie es nicht laufen sollte. Wir leben in einer Demokratie. Wir können mitbestimmen, was unsere Politiker machen. Nutzen Sie dieses Recht. Informieren Sie sich und sagen Sie auch im passenden Zeitpunkt: Nein, so nicht!
Das alles wird die Welt nicht verändern. Aber es wird unseren Umgang mit Geld verändern. Denn Geld an sich ist nichts Schlechtes, auch Schulden sind es nicht. Aber es ist für das Leben da, soll das Leben ermöglichen und nicht verhindern.
Amen.
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