Gottesdienst zu Maria

Folgende Gottesdienstidee kam auf, als ein Gottesdienst auf Mariä Himmelfahrt fiel. Als Ort ist nun ein Maria-Wallfahrtsort (draußen) geplant. Was liegt da näher als ein Gottesdienst zur biblischen Maria?

15.8.,18.00 Uhr: Maria

Ort: Schönbuchen

Musik

Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr sei mit euch – und mit deinem Geist

Gebet:

– Maria kennenlernen, von Ihr lernen

– alte Bilder über Bord werfen, bereit werden für das, was die Bibel sagt

Hinführung:

Wir sind an einem katholischen Wallfahrtsort.

Und wir spielen heute ein bisschen damit: Wir spielen mit dem Bild von Maria, wie es sich in der katholischen Kirche verbreitet hat.

Das biblische Bild ist in manchen Punkten überraschend anders.

Doch zuerst würden wir Sie bitten sich über Ihre Bilder von Maria auszutauschen:

Unterhalten Sie sich bitte mit Ihrem Nachbarn, so 3-4 Personen über die Frage:

Bei Maria denke ich sofort an….

Musik

Predigt

Der Blick auf biblische Personen ist besonders lehrreich, da wir von Ihnen für unseren Weg mit Gott lernen können.

Von Hiob haben wir klagen und Gott anklagen gelernt.

Von Petrus, dass Jesus zweite Chancen gibt.

Was lernen wir von Maria?

Und dafür lohnt es sich zu schauen: Welchen Weg geht Maria mit Jesus? Und was können wir so für unseren Weg mit Jesus lernen?

1. Maria nimmt Aufgabe an:

Marias Weg mit Jesus fängt – wie bei jeder Mutter – mit der Schwangerschaft an. Das doofe war nur: Sie war mit Josef verlobt und der war wohl nicht der Vater.

Die Bibel als Text aus einer anderen Zeit bringt hier die Jungfrauengeburt ins Spiel: Gott ist der Vater des Kindes. Damals eine übliche Vorstellung, die Jesu Besonderheit ausdrückt.

Egal was sie von davon halten: Für Maria bedeutete das: Ein Kind außerhalb noch vor der Ehe geboren – damals schlimmer als heute. Die Gefahr, dass ihr Verlobter sie nicht mehr heiratet, sie nie mehr heiraten wird.

Die Frage ist: Wie geht Maria mit der Aufgabe, die da auf sie zukommt, um? Wird sie sie annehmen?

Wie antwortet Maria dem Engel, der ihr die Schwangerschaft verkündet?

Bibeltext: Lukas 1

38 Da sagte Maria:

»Sieh doch: Ich diene dem Herrn.

Es soll an mir geschehen, was du gesagt hast.«

Da verließ sie der Engel.

Maria nimmt ihre Aufgabe an. Sie nimmt Jesus an, obwohl er kein normales Kind sein wird – das weiß sie.

Und sie merkt die Besonderheit dieses Kindes, sie merkt, dass Sie durch dieses Kind ebenfalls besonders ist – obwohl sie nichts dafür kann.

Und so kann sie, als Sie ihrer Cousine Elisabeth von ihrer ungewollten Schwangerschaft erzählt sagen:

»Ich lobe den Herrn aus tiefstem Herzen.

47 Alles in mir jubelt vor Freude über Gott,

meinen Retter.

48 Denn er wendet sich mir zu,

obwohl ich nur seine unbedeutende Dienerin bin.

Sieh doch: Von jetzt an werden mich alle Generationen

glückselig preisen.

49 Denn Gott, der mächtig ist, handelt wunderbar an mir.

Luk 2b,46b-49

Maria nimmt ihre Aufgabe an, obwohl sich sicherlich einige das Maul zerrissen haben, wie schnell die beiden das erste Kind gekriegt haben, und dann noch der Altersunterschied, na, ob das Kind von ihm ist, Maria, die hat wahrscheinlich, weißt scho…

Maria braucht den Weg zu Elisabeth, sie braucht die Stärkung einer Freundin, aber dann ist sie so weit für diese Aufgabe, die mit der Geburt richtig losgeht.

Musik

2. Flucht nach Ägypten

Die Geburtsgeschichte überspringen wir, kennen sie alle. Spannend wir es am Ende der Weihnachtsgeschichte:

In Matthäus 2 ist beschrieben, dass Joseph vom Engel gewarnt wurde, dass Herodes die Neugeborenen töten will.

Dann steht da:

Josef stand mitten in der Nacht auf,

nahm das Kind und seine Mutter

und zog mit ihnen nach Ägypten.

Dort blieb er bis zum Tod von Herodes.

Mt 2, 21-22b

Diese Geschichte ist wohl nicht historisch. Hätte Herodes Kinder systematisch töten lassen, hätten die Römer auch davon berichtet.

Das soll wohl eher seine negative Seite zeigen und an den Pharao erinnern.

Aber spannend ist sie doch: Denn Jesus und seine Eltern wird mit der Geschichte zum Flüchtling, zum Asylsuchenden.

Der Weg nach Ägypten war gefährlich. Die Natur konnte einen töten, die Menschen konnten einen Verschleppen, wahrscheinlich brauchte es keinen Schleuser um über die Grenze zu gelangen, aber Menschen die einem beim ankommen helfen.

Und Maria wird sich oft überlegt haben: Warum mache ich das?

Sie ist so vielen ähnlich, die nach Deutschland gekommen sind oder noch nach Deutschland wollen.

Auf der Suche nach einem besseren Leben, nach Sicherheit für sich und ihr Kind.

Wie so viele lässt sie alles zurück, nimmt Lebensgefahr auf sich, damit es ihrem Kind gut geht.

Sie ist bereit ihr Leben für ihr Kind zu geben und würde alles für ihn tun.

Sie hat dabei ihren Sohn geprägt: Auch Jesus war bereit alles zu tun, damit die Menschen die Liebe Gottes verstehen und kennenlernen.

Er war bereit zu sterben um zu zeigen, dass Gottes Macht nicht auf Waffen und Gewalt beruht.

Musik

3. Von seinen Kindern lernen

Zeitsprung: Jesus ist wieder zurück in Nazareth, hilft seinem Vater, lernt etwas Lesen und Schreiben, Teenager, um die 12 Jahre alt, die Pubertät beginnt. Und das Streben nach Selbstständigkeit.

Klar bleibt er nicht bei seinen Eltern, als die Familien aus dem Dorf nach Jerusalem zum Passafest ziehen.

Maria und Joseph wundern sich nicht, dass er auf dem Rückweg nicht bei Ihnen ist. Er wird einfach mit den anderen Teenagern mitgegangen sein, irgendwo ist er schon. Wenn er Hunger hat, taucht er zum Abendessen wieder auf. Taucht er aber nicht. Und keiner hat ihn gesehen.

Er muss irgendwo in der Großstadt verloren gegangen sein.

Hier setzt unser nächster Text ein:

Da kehrten sie nach Jerusalem zurück

und suchten ihn überall.

Dann endlich, am dritten Tag

entdeckten sie ihn im Tempel.

Er saß mitten unter den Lehrern.

Er hörte ihnen zu und stellte ihnen Fragen.

Alle, die ihn hörten,

staunten über seine klugen Antworten.

Seine Eltern waren fassungslos, als sie ihn hier fanden.

Seine Mutter fragte ihn:

»Kind, warum hast du uns das angetan? Sieh doch:

Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht!«

Er antwortete ihnen: »Wieso habt ihr mich gesucht?

Habt ihr denn nicht gewusst,

dass ich bei meinem Vater sein muss?«

Aber sie begriffen nicht, was er da zu ihnen sagte.

Dann kehrte Jesus mit seinen Eltern nach Nazaret zurück

und war ihnen gehorsam.

Maria prägte sich diese Worte gut ein.

Lk 2,45b-51

Was für eine rotzfreche Antwort: „Wieso habt ihr mich gesucht? Habt ihr denn nicht gewusst, dass ich bei meinem Vater sein muss?“

Ich frage mich manchmal, was sie danach gemacht und gesagt haben.

Egal was es war: den letzten Satz finde ich am spannendsten: Maria prägte sich diese Worte gut ein.

Maria besteht nicht auf ihren Stolz als Mutter, als Erwachsene. Sie ist bereit von Jesus zu lernen. Sie prägt sich seine Worte gut ein.

Das ist Größe, finde ich: Auch bei einer frechen Antwort noch den Wahrheitsgehalt hören zu können und ihn sich einzuprägen. Bereit zu sein, von seinen Kindern zu lernen

Musik

4. An seinen Kindern verzweifeln

Sie hat damals vielleicht schon gemerkt, dass ihr Jesus kein einfaches Kind wird. Gut 20 Jahre später, wird es richtig schlimm: Ihn packt der Rappel, er arbeitet nicht mehr im Familienunternehmen mit sondern zieht mit 12 anderen durch die Gegend.

Als wäre das nicht schlimm genug, erzählt er von Gott. Die Leute fangen schon an ihn für verrückt zu halten!

Und er legt sich mit den Rabbinern und den Pharisäern und Sadduzäern an. Mit wem denn noch?

Außerdem isst er mit Zöllnern, mit Huren und berührt Kranke.

Der muss verrückt geworden sein, besser man holt ihn erstmal nach Haus zurück:

Und wieder strömte die Volksmenge zusammen,

sodass Jesus und seine Jünger

noch nicht einmal zum Essen kamen.

Als seine Verwandten das hörten,

machten sie sich auf den Weg,

um ihn mit Gewalt dort wegzuholen.

Denn sie sagten: »Er ist verrückt geworden.« […]

Inzwischen waren die Mutter

und die Brüder von Jesus gekommen.

Sie blieben draußen stehen und schickten jemand,

der ihn rufen sollte.

Aber die Volksmenge saß um Jesus.

Und sie sagten zu ihm:

»Sieh doch: Deine Mutter, deine Brüder

und deine Schwestern stehen draußen.«

Aber Jesus antwortete ihnen:

»Wer ist meine Mutter

und wer sind meine Brüder?«

Und er blickte die Leute an, die rings um ihn saßen,

und sagte: »Das sind meine Mutter und meine Brüder!

Wer tut, was Gott will,

der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.«

Mk 3,20b-21.31-35

In der Vorbereitung habe ich eine sehr konservative katholische Seite gelesen, in der jemand versuchte zu erklären, warum das nicht so gewesen sein kann. Klar war für diese Seite: Maria als Mutter Jesu, kann niemals ihn mit Gewalt zurückholen wollen. Und sie kann ihn nicht für verrückt erklärt haben.

Warum eigentlich nicht? Das kommt doch oft genug vor: Wenn das Kind das Studium abbricht und lieber Handwerker wird. Warum macht er das? Ich hätte davon geträumt.

Wenn das Kind das Geschäft nicht übernimmt: Wie kann man das nur ablehnen? Wir haben hart dafür gearbeitet und jetzt sind doch alle Schwierigkeiten beseitigt, wenn wir das gehabt hätten?

Wenn, wenn, wenn: Es gibt viele Situationen, in denen Eltern ihrem Kind fremd sind, es innerlich für verrückt erklären und mindestens genauso viele, in denen Kinder ihre Eltern für verrückt halten.

Und dann diese Zurückweisung: Ich habe nun auch andere Mütter und eine andere Familie. All die, die Gottes Willen tun sind für mich wie eine Familie!

Hart zu hören für eine Mutter.

Die Frage ist doch: Wird das Maria und Jesus dauerhaft entfremden oder werden sie wieder zueinander finden?

Musik

5. Versöhnung

Maria verschwindet nun lange aus den biblischen Erzählungen. Beim Apostel Johannes taucht sie nochmals auf, ziemlich am Ende, als es bei Jesus auf das Ende zugeht:

Nahe bei dem Kreuz, an dem Jesus hing,

standen seine Mutter und ihre Schwester. […]

Jesus sah seine Mutter dort stehen.

Neben ihr stand der Jünger, den er besonders liebte.

Da sagte Jesus zu seiner Mutter:

»Frau, sieh doch! Er ist jetzt dein Sohn.«

Dann sagte er zu dem Jünger:

»Sieh doch! Sie ist jetzt deine Mutter.«

Von dieser Stunde an nahm der Jünger sie bei sich auf.

Joh 19,25-27

Maria ist wieder da. Keine Ahnung, wie sie sich versöhnt haben, ob sie sich ausgesprochen haben.

Aber als es ernst wird, als es auf die letzten Stunden zugeht, da lässt sie ihre Verbitterung, ihren Ärger hinter sich und ist wieder da: Sie steht unterm Kreuz, sie steht ihrem Kind bei.

Und: bei Johannes kriegt sie eine neue Aufgabe: sie zieht zum Lieblingsjünger.

Am Ende des Weges mit Jesus lässt sie sich auf einen neuen Weg ein.

Musik

Zusammenfassung

Wie ist der Weg Marias mit Jesus: Er ist von Anfang an nicht leicht. Er beginnt mit einer großen Aufgabe: Das uneheliche Kind annehmen.

Aber Maria ist offen für ihn, sie lernt von Jesus.

Sie ärgert sich über ihn, erklärt seine Ideen für verrückt, aber steht ihm bei.

Sie verläßt ihn nicht.

Und anders als viele katholische Mythen es meinen: Sie ist nicht immer nur die Heilige, die immer mit Jesus verbunden war.

Sie hat ihren eigenen Weg mit ihm, mit Entfremdungen und Liebesbeweisen.

Ob sie deshalb eine besondere Beziehung zu ihm hatte: Wer hat keine besondere Beziehung zu seiner Mutter? Natürlich.

Ob ihre Worte und Bitten deshalb besonders von Jesus gehört werden?

Nun, wir die wir Gottes Willen tun, sind auch seine Familie.

Nehmen wir uns also Maria zum Vorbild: Als eine, die ihren ganz eigenen Weg mit diesem nicht immer leichten Jesus von Nazareth gegangen ist. Den Sohn Mariens.

Amen.

Fürbitten

Guter Gott, mach uns wie Maria:

Gib uns Kraft, unsere Aufgaben anzunehmen und sie zu begrüßen, auch wenn sie uns unmöglich scheinen

Lass uns von Jesus, seinem Tun und Handeln lernen, auch wenn wir manches erstmal nicht verstehen.

Hilf uns, uns mit dir und unseren Mitmenschen zu versöhnen, wenn es Streit und Ärger gab.

Wir beten wie Jesus selbst es uns gelehrt hat:

Vater Unser

Segen

Musik

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