Bereit Rechenschaft abzugeben – Predigt zum Ewigkeitssontag (Lukas 10,12-17)

Liebe Gemeinde,
wie haben wir unser Leben gelebt? Waren wir ehrlich? Haben unsere Worte zu unseren Taten gepasst?
Haben wir gut gegenüber anderen gehandelt? Verantwortung für das was uns anvertraut wurde und für andere übernommen?
Im Angesichts des Todes sind diese Fragen relevanter als sonst. Im Angesicht des Todes werden sie dringend. Wenn jemand im Sterben liegt und vielleicht noch mehr, wenn es darum geht, sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden.
Einige von Ihnen haben in diesem Jahr einen geliebten Menschen verloren, mussten Abschied nehmen und sich vielleicht genau diese Fragen fragen:
Wie hat er oder sie sein Leben gelebt?
Wenn er nun Rechenschaft abgibt: Wie wird diese aussehen?
Und wenn ich jetzt sterben muss: Wie kann ich auf mein Leben blicken?

Im Christentum gibt es schon immer die Vorstellung, dass wir vor Gott Rechenschaft über unser Leben ableben müssen.
Früher dachte man dabei an ein Gericht, daher heißt es im Glaubensbekenntnis über Jesus: Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Heute gibt es andere Ideen, ich mag besonders die, dass Gott mit uns auf unser Leben schaut, wie in einem Film und wir sehen können, was gut und schlecht gelaufen ist. Wo wir ehrlich waren zu uns, wo wir nur an uns oder auch an andere gedacht haben.

Bewusst war den Menschen schon damals: Der Zeitpunkt des Rechenschaft ablegens, kann jederzeit kommen.
Uns so erzählt Jesus folgende Geschichte vom Rechenschaft über sein Leben ablegen. Er erzählt sie mit einem Bild seiner Zeit, mit der Geschichte eines Dieners, der von seinem Herrn die Verwaltung über dessen Gut übertragen kommt.
So steht es im Lukasevangelium aufgeschrieben:

Der Herr antwortete: »Wer ist denn wohl der treue und kluge Verwalter, dem sein Herr den Auftrag geben wird, die Dienerschaft zu beaufsichtigen und jedem pünktlich die Tagesration auszuteilen?
Er darf sich freuen, wenn sein Herr zurückkehrt und ihn bei seiner Arbeit findet. Ich versichere euch: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für alle seine Güter übertragen.
Wenn er sich aber sagt: ›So bald kommt mein Herr nicht zurück‹, und anfängt, die Diener und Dienerinnen zu schlagen, üppig zu essen und sich zu betrinken, dann wird sein Herr an einem Tag und zu einer Stunde zurückkehren, wenn er überhaupt nicht damit rechnet. Er wird ihn in Stücke hauen und ihn dorthin bringen lassen, wo die Treulosen ihre Strafe verbüßen.
Der Diener, der die Anweisungen seines Herrn kennt und sie nicht bereitwillig befolgt, wird hart bestraft.
Ein Diener, der den Willen seines Herrn nicht kennt und etwas tut, wofür er Strafe verdient hätte, wird besser davonkommen. Wem viel gegeben worden ist, von dem wird auch viel verlangt. Je mehr einem Menschen anvertraut wird, desto mehr wird von ihm gefordert.«

Liebe Gemeinde,
ein guter Verwalter ist der, der seine Arbeit erledigt. Der sich um die anderen kümmert: Der die andere Dienerschaft beaufsichtigt und pünktlich das Essen verteilt.
Wer ein guter Verwalter ist, macht seine Arbeit gern und vor allem: er rechnet immer damit, dass sein Herr zurückkommt – so wie wir jederzeit mit dem Ende unseres Lebens rechnen müssen.
Wir als gute Verwalter versuchen unsere Leben im Sinne unseres Herrn zu leben, wir versuchen die Verantwortung über seine Güter – also die Welt und die Menschen um uns herum – wahrzunehmen.
Dann wir unser Leben gut: Nicht nur, weil Gott es so von uns will, sondern vor allem auch, weil wir gegenseitig auf uns achten.
Es lohnt sich Gottes Richtlinien für unser Leben zu beachten, denn sie sind Richtlinien, wie wir unser Leben mit unseren Mitmenschen gemeinsam so führen können, dass wir sagen können: Das war gut.
Die ganze Bibel ist voll von konkreten Ratschlägen, wie das nun aussehen kann. Einen finde ich in diesem Zusammenhang besonders passend, er steht im Michabuch im 6. Kapitel:
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Es ist uns also gesagt was gut ist:
1. Gottes Wort halten: Das heißt die Bibel lesen, über sie nachdenken, sie in unser Leben mit hineinzunehmen und auf Jesus und sein Leben als Maßstab, als Zielvorgabe zu schauen.
Es gibt verschiedene Arten, wie man es macht, mir helfen die Losungen: zwei kurze Bibelsprüche jeden Tag, die manchmal zum nachdenken anregen, die heraufordern, die manchmal gar nicht passen oder wie die Faust aufs Auge.
Beim ERF, von dem wir draußen einige Flyer haben, gibt es auch Bibellese-Workshops, die zum gemeinsamen Bibellesen einladen. Egal wie: die Gottes Wort gibt unserem Leben Richtung.

2. Liebe üben, die Liebe als erstes stellen: Manchmal ist der Ärger schneller da als die Liebe. Oder die Ungeduld. Wir denken uns etwas oder sagen etwas und schon sind die negativen Gefühle da.
Liebe muss man auch einüben. In einer Männerzeitung habe ich einmal den Tipp gelesen: Wenn du dich mal über deine Partnerin ärgerst, unterstelle ihr heute nur die besten Absichten. Das verändert die Sichtweise.
Und: Demütig sein vor Gott.
Das ist besonders schwer, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat: Warum ist sie gerade jetzt gestorben? Warum so schnell? Warum hatte ich nicht noch mehr Zeit mit ihr?
Demütig sein vor Gott bedeutet nicht, dass ich diese Fragen nicht mehr stellen darf.
Aber es bedeutet, Gott zuzutrauen, dass er Antworten hat – die ich aber nicht gleich kriege. Und dass ich Gott zutraue, dass sein Handeln aus der Liebe zu den Menschen geschieht – auch wenn ich es nicht sehen und verstehen kann.

Wenn ich mit diesen drei Punkten mein Leben lebe, jeden Moment so, dass ich weiß, dass es Zeit sein kann Rechenschaft abzulegen, so führe ich ein gutes, erfülltes Leben.
Denn auch wenn wir scheitern – und das werden wir oft und immer wieder – so begleitet uns Gott ins unserem Leben. Er hilft uns immer wieder neu auf Gottes Wort zu hören, immer wieder neu Liebe zu üben, immer wieder neu demütig zu sein.
Amen.

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