Aus Pfarrerbild.de

Die folgenden Texte sind der alten Homepage www.pfarrerbild.de entnommen (getextet von Prof. Uden und mir)

Konzept: Welche Kriterien uns wichtig sind.

In unseren Seminaren haben wir uns mit zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen sowie Serien befaßt. Wir begrenzen die Untersuchung auf Geistliche in Hauptrollen in Filmen und Serien. Die prägende Wirkung der Nebenrollen scheint uns begrenzt. Hier werden Geistliche vornehmlich als Symbolverstärker bei Ritualen, Feiern oder Amtshandlungen eingesetzt.

Um Ihnen einige Kriterien zur Hand zu geben, welche Filme sie hier für unsere wissenschaftliche Untersuchung eintragen können, hier einige kurze Defitionen:

  1. Von Interesse für diese Untersuchung sind alle Filme und Serien, die im deutschen Sprachraum gezeigt werden oder in der Vergangenheit zu sehen waren. Der deutsche Sprachraum bezieht die deutsch synchronisierten oder untertitelten ausländischen Filme ein. Dazu gehören in der Regel auch alle als Videocasetten oder DVDs käuflichen oder ausleihbaren Filme. (Also: Jeden Film, den man normal zu sehen bekommen kann.)
  2. Die Bezeichnung Pfarrer benennt alle männlichen und weiblichen Geistlichen unterschiedlicher Konfessionszugehörigkeit. Geistliche werden in der Regel von einer Kirche, Gemeinde oder Institution mit ihrem Amt beauftragt oder berufen. Damit sind alle nicht durch Institutionen oder Gruppen autorisierten Personen ausgeschlossen.
  3. Pfarrer in Dokumentationssendungen, Fernsehgottesdiensten, Talkshows, Quizshows, Doku-Soaps usw. sind nicht Untersuchungsgegenstand dieses Projekts. Auch wenn diese Genres für das Pfarrerbild im Fernsehen durchaus von Interesse sind, unterliegen sie anderen Inszenierungsvariablen als der Bereich der von uns analysierten fiktionalen Unterhaltung.
  4. Hauptrollen sind Rollen, die über den ganzen Film verteilt vorkommen und eine tragende Rolle spielen. Hauptrollen gestalten entscheidende Szenen und Handlungsabläufe. Als Beurteilungskriterium kann gelten, dass eine Auslassung dieser Szenen oder ein Wegfall dieser Schauspieler den Film entscheidend verändern würden. Wenn weggelassene Szenen bestimmter Rollen den Film nicht wesentlich verändern, kann von einer für dieses Projekt auszuschließenden Nebenrolle ausgegangen werden.

Ergebnisse

Die ersten Ergebnisse beruhen auf der Untersuchung von 53 Spielfilmen mit Pfarrern in Hauptrollen im Juli 2004 (siehe Veröffentlichungen).

Den folgenden Zahlen liegt die Auswertung von 86 Filmen an Hand von eigens entworfenen Fragebögen zu Grunde.

Zuerst ist auffällig, dass über 70% der vorkommenden Pfarrer als Hauptrolle katholisch sind. 88% spielten nicht allein die Hauptrolle, sondern mussten diese sich mit anderen Figuren teilen. Die Bezeichnung „Pfarrerfilm“ ist insgesamt gerechtfertigt: Einer von 86 untersuchten Filmen stellte eine Pfarrerin in der Hauptrolle dar (Vorsicht-keine Engel).

Die Figur des Pfarrers ist ein durchgängiges Filmthema. Seit 1937 kommen Pfarrerfilme in jedem Jahrzehnt und in fast allen Genres mehrmals vor – mit Ausnahme der Western- und Science-Fiction-Filme. Im Laufe der Jahre „normalisiert“ sich der Pfarrberuf: Die Amtskleidung verschwindet ebenso immer mehr aus dem Alltagsleben wie z.B. der Gruß „gelobt sei Jesus Christus“.

Die Arbeit von Gerhard Beck findet sich hier am Ende des Beitrags.

Veröffentlichungen zum Thema (Stand 2004)

  • Uden, Ronald (2003): Statisten oder Helden? – Zum Pfarrerinnen- und Pfarrerbild in den Medien, Deutsches Pfarrerblatt Jg. 103 / 2003, H. 12, 635-638
  • Beck, Gerhard (2004): Das Pfarrerbild im Spielfilm. Eine Untersuchung von 53 ausgewählten Spielfilmen mit Pfarrern als Hauptrollen. Abschlussarbeit im Curriculum Christlicher Publizistik.
  • Albrecht, Horst (1993): Die Religion der Massenmedien, Stuttgart: Kohlhammer.
  • Dahm, Karl-Wilhelm (1971): Beruf: Pfarrer. Empirische Aspekte zur Funktion von Kirche und Religion in unserer Gesellschaft, München 31974.
  • Gräb, Wilhelm (1998): Person und Beruf, in: Lebensgeschichten, Lebensentwürfe, Sinndeutungen. Eine Praktische Theologie gelebter Religion, Gütersloh: Kaiser / Gütersloher Verlagshaus, 304-333.
  • Grethlein, Christian (1999): Pfarrersein heute. Zwischen ‚Führer‘ ins Heilige und intellektuellem Amt‘, in Deutsches Pfarrerblatt 1/1999, S. 10-13.
  • Grözinger, Albrecht (1998): Kapitel „Das Amt der Erinnerung – Überlegungen zum künftigen Profil des Berufs der Pfarrerinnen und Pfarrer“ in: Die Kirche – ist sie noch zu retten? Anstiftungen für das Christentum in postmoderner Gesellschaft, Gütersloh: Kaiser / Gütersloher Verlagshaus.
  • Josuttis, Manfred (1996): Die Einführung in das Leben. Pastoraltheologie zwischen Phänomenologie und Spiritualiät, Gütersloh: Kaiser / Gütersloher Verlagshaus.
  • Karle, Isolde (2001): Pastorale Kompetenz, in Pastoraltheologie 89, 2000, 508-523
  • Karle, Isolde (2001): Der Pfarrberuf als Profession. Eine Berufstheorie im Kontext der modernen Gesellschaft, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
  • Lindner, Herbert (2000): Der Edelstein ist nicht gefasst. Die Auswirkungen des Kirchen- und Gemeindebildes auf das Pfarrerinnen- und Pfarrerbild, in: Deutsches Pfarrerblatt 10/2000.
  • Lukatis, Wolfgang (1991): Der Pfarrer im Kommunikationssystem Gemeinde, in: Daiber, Karl-Fritz: Predigt als religiöse Rede. Homiletische Überlegungen im Anschluß an eine empirische Untersuchung, Predigen und Hören 3, München: Kaiser, 122-152.
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